Das Iurratio-Ranking "Online-Innovation"- eine kurze Einführung
- von Jens-Peter Thiemann (Vorsitzender Projektleitung Iurratio)
A. Beweggründe
Anfang 2010 standen viele MitarbeiterInnen unseres Projektes vor der Frage, bei welcher Kanzleien sie eine mögliche Anwalts- oder Wahlstation absolvieren sollten bzw. wer als Arbeitgeber in Betracht kommen könnte. Dabei waren viele Kanzleien aufgrund von Marketingmaßnahmen in den gängigen Zeitschriften (azur, Iurratio, JuS, Karriereführer Recht, Staufenbiel) zumindest namentlich ein Begriff. Über genaueren Informationen verfügten die wenigsten.
Wie im Zeitalter von Social-Media üblich, lag es dann zunächst nahe, sich neben den gedruckten Karriereratgebern - diese enthalten leider meist wenig aussagekräftige, standardisierte und kaum divergierende Inhalte– über das Internet zu informieren, um einen besseren Eindruck vom potentiellen Arbeitgeber zu bekommen.
Die ersten Versuche scheiterten bereits daran, dass alle bekannten Kanzleien zum damaligen Zeitpunkt bei dem meistgenutzten Socialmedia-Netzwerk „facebook“ nicht mit einer Arbeitgeberseite präsent waren, obwohl dies bei den großen Unternehmen bereits der Fall war. Auch bei der Karriereplattform „Xing“ war das damalige Bild erschreckend. Zu Kanzleien gab es zwar bis zu 15 verschiedene „Unternehmensprofile“, diese erschienen aber mangels einer entsprechenden Strategie oder Überwachung durch die jeweiligen Kanzlei in der Regel inhaltslos.
Eine aktiv gepflegte Karriereplattform für Juristen, die sich auch gezielt an Nachwuchskräfte richtete, gab es nicht. Zwar bestand die Möglichkeit erste Informationen über wenige Kanzlei-Profile auf den Seiten des „Juve-Verlages“ oder der Plattform „legalcareers“ zu erhalten, diese waren allerdings nur rudimentär und wenig hilfreich. Videos, die z.B. die Geschichte und Philosophie der Kanzleien als Arbeitgeber zeigen und den Mitarbeitern ein „Gesicht“ geben, suchten wir vergebens.
In der Hoffnung, durch die jeweiligen Kanzleiwebseiten besser über Karriere- und Berufsperspektiven in Kanzleien informiert zu werden, versuchten wir dann durch die Eingabe der Kanzleinamen und des Suchbegriffes „Karriere“ in die Google-Suchmaske zu den entsprechenden Inhalten zu gelangen. Auch hier zeigte sich oftmals ein deprimierendes und unerwartete eingeschränktes bzw. nicht optimal auf die Zielgruppe abgestimmtes Angebot an „Informationen“. Äußerst kompliziert und bzw. unmöglich wurde es, wenn man sich über die Karriereseiten der Kanzleien bewerben wollte. Oftmals bestand nur die Möglichkeit eine E-Mail zu senden oder den Postweg zu nutzen. Von der gewünschten Bewerberfreundlichkeit – sich schnell und effektiv bewerben zu können – spürte man nur wenig.
B. Der Inhalt des Rankings
Die aufgezeigten Erfahrungen bewogen uns dann dazu, ein anhand objektiver Kriterien klar erkenn- und vergleichbares Ranking zu erstellen, dass der Bedeutung von Social-Media und des Internets insgesamt Rechnung trägt.
Dabei geht es vordergründig darum uns Nachwuchsjuristen zu zeigen, welche Kanzleien sich am intensivsten damit beschäftigen, unsere Zielgruppe „abzuholen“, Aus- und Weiterbildung zu fördern und via Social Media und Karrierewebseiten über sich zu informieren.
Daneben sollte das Ranking den Kanzleien aufzeigen, in welchen Bereichen sie sich gegenüber den anderen Kanzleien noch verbessern können.
C. Das erste Ranking 2010 Im ersten Ranking wurden die 40 umsatzstärksten Kanzleien berücksichtig. Dabei ging es um die drei Kategorien „Web 1.0“, „Karriereseite“, „Web
2.0“: Die erste Kategorie bildete die allgemeine Internetpräsenz „Web 1.0“. Dabei spielten Aspekte wie die Übersichtlichkeit (Seitenstruktur), Nutzerfreundlichkeit, Einbindung der Karriereseite, und die Aktualität der Seite eine Rolle. Die zweite und für das Onlinerekruiting zur Zeit wichtigste Kategorie bildete der Karrierebereich, der im Ranking 2011 die wichtigste Kategorie darstellt. In der dritten Kategorie „Web 2.0“ wurden die Aktivitäten und Angebote im Social-Media Bereich („Twitter“, „facebook“, „xing“, „youtube“) bewertet.
Die Top 3 des Jahres 2010 bildeten Hengeler Mueller (Platz 1), Freshfields Bruckhaus Deringer (Platz 2) und GSK Stockmann und Kollegen (Platz 3). Der Kanzlei Hengeler Mueller konnte sich dabei aufgrund Ihrer hervorragenden Karriereseite knapp gegen Freshfields Bruckhaus Deringer durchsetzen. Allerdings hatte Hengeler Mueller bereist 2010 ein großes Verbesserungspotential bei der Präsenz im Social-Media Bereich.
GSK-Stockmann und Kollegen konnten sich trotz Ihrer Größe dank der zum damaligen Zeitpunkt aktuellen und übersichtlichen Karriereseite mit der Möglichkeit einer zügigen Onlinebwerbung unter den TOP 3 platzieren. Im Bereich der Karriereseite überzeugten daneben Freshfields Bruckhaus Deringer und Hogan Lovells, wobei Hogan Lovells im Bereich der allgemeinen Internetpräsenz noch einiges Verbesserungspotential aufwies. Im Social Media-Bereich war PwC als Verbund von Prüfungs- und Beratungsgesellschaften besonders hervorzuheben und konnte hier viele Pluspunkte sammeln.
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