Berufsspecial M&A: Interview mit Dr. Schneider-Brodtmann

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Interview: Karriere im M&A

Im Rahmen des Berufsspecials zum M&A sprach Iurratio mit Herrn Dr. Jörg Schneider-Brodtmann, personalverantwortlicher Partner bei Menold Bezler, über die Anforderungen einer mittelständigen Kanzlei an junge Juristen, die sich für eine Karriere im M&A interessieren. Darüber hinaus befragten wir Herrn Vladimir Cutura, seit 2012 Partner bei Menold Bezler, über seine Erfahrungen zur Karriere im Tätigkeitsschwerpunkt Gesellschaftsrecht und M&A.


„Menold Bezler ist in den 10 Jahren ihres Bestehens stetig gewachsen und hat dies auch weiterhin vor. Das bedeutet, dass auch die Teams weiterwachsen und bestimmte Bereiche nach und nach ausgebaut werden.“

Herr Dr. Schneider-Brodtmann 


Iurratio: Herr Dr. Schneider-Brodtmann, M&A ist zunächst ein weit gefasster Begriff. Wie haben Sie den Bereich intern bei Menold Bezler strukturiert? Gibt es bestimmte Teams, die immer wieder bestimmte Teilprozesse betreuen oder werden diese für jedes Mandat individuell neu zusammengestellt?

Herr Dr. Schneider-Brodtmann: Es gibt feste Teams, die regelmäßig zusammenarbeiten und auf bestimm- te Bereiche spezialisiert sind, bspw. internationale Transaktionen. Ebenso entsteht aber regelmäßig auch eine mandatsbezogene teamübergreifende Zusammenarbeit, in der die Spezialisten aus den verschiedenen Bereichen gemeinsam am Mandat tätig sind.

Iurratio: Für eine Tätigkeit im M&A ist es häufig erforderlich ein breites Wissensspektrum mitzubringen. zusätzlich erwarten Mandanten aber auch Expertise in ihrer jeweiligen Branche. Wie decken Sie diese Anforderungen ab? Kann man sagen, dass sich ein bestimmter teil ihrer Berufsträger überwiegend diesem Thema widmet? Oder müsste man gar sagen, dass M&A alle Anwälte involviert, die Expertise in Handels- und Gesellschaftsrecht, Kapitalmarktrecht, Kartellrecht und Steuerrecht in sich vereinen?

Herr Dr. Schneider-Brodtmann: Berufseinsteiger bringen in der Regel einen geringen praktischen Wissensstand mit. Wir erwarten zwar von allen unseren Kolleginnen und Kollegen ein Grundverständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge, d.h. ein Gespür für die wirtschaftlichen Bedürfnisse des Mandanten, schulen dies aber durch interne und externe Fortbildungen, etwa in Zusammenarbeit mit Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern, sowie durch regelmäßige Fachbesprechungen. Das wichtigste Training ist jedoch die fundierte und praxisnahe Arbeit am Mandat. Wir achten darauf, dass junge Kollegen Mandate zunehmend selbstständig bearbeiten und frühzeitig Mandantenkontakt erhalten. Allen Einsteigern stehen ein oder zwei Mentoren zur Seite, die sie in der täglichen Mandatsarbeit und der fachlichen Entwicklung eng begleiten. So vertiefen sich die Kenntnisse am schnellsten und stärksten. Wir achten dennoch darauf, dass alle Kollegen auch den „Blick fürs Ganze“ behalten und nicht komplett in ihrer Spezialisierung aufgehen.

Iurratio: Inwieweit trifft dies auch ihre Erwartungen an Bewerber? Erwarten Sie von Anfang an eine starke Spezialisierung in einer bestimmten Branche zusätzlich zu breiten Kompetenzen in verschiedenen Rechtsgebieten? Oder findet hier auch „training on the job“ im Sinne eines Heranführens von kleinen zu großen Aufgaben statt?

Herr Dr. Schneider-Brodtmann: Die Erwartungen an unsere Berufseinsteiger sind einerseits natürlich hoch, andererseits aber auch realistisch. Wir setzen hervorragende juristische Kenntnisse und ein gewisses Faible für den gewählten Bereich voraus; wir erwarten jedoch keine Vorkenntnisse im jeweiligen Rechtsgebiet. Das training on the job nimmt bei uns eine ganz wesentliche Rolle ein. Im frühzeitigen Mandantenkontakt und der raschen Übernahme von kleineren und zunehmend auch größeren Projekten, natürlich immer im fachlichen Austausch mit dem bzw. den Mentoren, bestehen unserer Ansicht nach die größten Entwicklungsmöglichkeiten. Wer jedoch beispielsweise noch eine Zusatzausbildung als Bankkaufmann im bankenrechtlichen Team mitbringt, oder wer zu einem bestimmten Thema, das später auch zum Bereich passt, promoviert hat, ist natürlich im Vorteil – erwartet wird dies aber wie gesagt nicht.

Iurratio: Beratung im M&A findet häufig im internationalen Rahmen statt. Gute Englischkenntnisse gelten vermutlich als selbstverständliche Anforderungen an ihre Bewerber und Mitarbeiter. Wie wichtig sind Kenntnisse weiterer Sprachen und anderer Rechtssysteme, z.B. über zusatzqualifikationen wie einen LL.M. nachgewiesen?

Herr Dr. Schneider-Brodtmann: Gerade im M&A setzen wir natürlich gute Englischkenntnisse voraus und bauen diese durch regelmäßige interne Englischkurse und auch ein externes Kursangebot weiter aus. Darüber hinaus können junge Kollegen ein Secondment im englischsprachigen Ausland bei einer unserer Partnerkanzleien absolvieren. Zusätzliche Sprachkenntnisse sowie LL.M.-Titel fallen bei uns allerdings unter die Kategorie „Plus“. Wichtiger ist für uns, dass die Bewerberin oder der Bewerber auch Eigenschaften wie Teamgeist und Fairness mitbringt.
Iurratio: Teamgeist und Fairness – das bringt uns zum Stichwort „Soft-Skills“: Neben juristischem Fachwissen erfordert eine Vermittlung z.B. verschiedener Parteien auch immer Kenntnisse über das juristische hinaus, z.B. Verhandlungsgeschick. Auf welche Anforderungen der Branche müssen sich Bewerber hier einstellen?

Herr Dr. Schneider-Brodtmann:  Auch im Bereich der Soft Skills lernen die Einsteiger von den „alten Hasen“, indem sie sich Fähigkeiten wie Verhandlungsgeschick und Auftreten abschauen. Wir bieten auch Schulungen beispielsweise zum Thema Zeitmanagement. Was wir jedoch voraussetzen, sind soziale Kompetenzen wie Team- und Integrationsfähigkeit sowie Sportsgeist. Einzelgänger mit Ellenbogenmentalität passen nicht zu unserer Kanzleikultur, schon alleine aufgrund der hohen fachübergreifenden Zusammenarbeit.

Iurratio: Auf ihrer Website bieten Sie Bewerbern „Freiräume, um ihre Karriere voranzubringen“. Können Sie dies näher ausführen?

Herr Dr. Schneider-Brodtmann:  Menold Bezler ist in den 10 Jahren ihres Bestehens stetig gewachsen und hat dies auch weiterhin vor. Das bedeutet, dass auch die Teams weiterwachsen und bestimmte Bereiche nach und nach ausgebaut werden. Alle Einsteiger haben dadurch die Chance, in ihrem Bereich eine Nische zu finden und aufzubauen, die sie von anderen Kolleginnen und Kollegen unterscheidet und zum Spezialisten und gefragten Ansprechpartner für Mandanten macht. Wer die nötige Motivation mitbringt, kann sich ein neues Referat mit eigenem Mandantenstamm aufbauen – die Kanzlei gewährt die Freiheit und Unterstützung dafür.


„Für Menold Bezler habe ich mich als Arbeitgeber entschieden, weil
ich die Erwartung hatte, in einem professionellen und zugleich überaus menschlichen Umfeld selbst zur Höchstform auflaufen zu können.“

Herr Cutura ist Jahrgang 1974 und hat zunächst fünf Jahre Großkanzleierfahrung gesammelt, bevor er 2009 zu Menold Bezler wechselte.


Iurratio: Herr Cutura, nun zu ihnen: Sie sind seit 4 Jahren bei Menold Bezler im M&A tätig. Warum hat Sie dieser Bereich interessiert und warum haben Sie sich für Menold Bezler als Arbeitgeber entschieden?

Herr Cutura: Der Bereich M&A interessiert mich besonders, weil er an der Schnittstelle zwischen Recht und Wirtschaft liegt und dabei eine breite Basis zahlreicher Rechtsgebiete erfordert, die mal mehr, mal weniger stark gefragt sind. Für Menold Bezler habe ich mich als Arbeitgeber entschieden, weil ich die Erwartung hatte, in einem professionellen und zugleich überaus menschlichen Umfeld selbst zur Höchstform auflaufen zu können. Die Erwartung ist mehr als bestätigt worden. Ich fühle mich heute in der Kanzlei sehr gut aufgehoben und schätze nach wie vor sowohl den fachlichen wie auch den menschlichen Austausch unter den Kollegen und Mitarbeitern.

Iurratio: Inwieweit ist ihre Erwartungshaltung an das Fachgebiet M&A erfüllt worden? Was waren ihre größten Überraschungen?

Herr Cutura: Meine Erwartungen an das Fachgebiet M&A sind bei der Kanzlei Menold Bezler überaus erfüllt worden. Überraschend war vielleicht, dass vieles noch handgemacht ist. Das bringt – wie ich heute weiß – eine mittelständische Kanzlei mit sich. Überrascht war ich aber auch, dass man als mittelständische Kanzlei in vielen großen Fällen dabei ist und auch von den Großkanzleien stets als ebenbürtiger „Gegner“ gesehen wird.

 

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Iurratio: Gibt es bestimmte Trends auch vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftslage, auf die heutige Bewerber vorbereitet sein sollten?

Herr Cutura: Ich erkenne einen Trend, dass viele Unternehmen nicht mehr bereit sind, eine ganze Heerschar von Rechtsanwälten für einen M&A-Fall zu engagieren. Als M&A-Anwalt sollte man daher ein breites Wissen mitbringen, um in Verhandlungen adäquat auch in Randbereichen reagieren zu können. Am wichtigsten sind aber nach wie vor betriebswirtschaftliche Kenntnisse, insbesondere hinsichtlich der Bilanzierung.

Iurratio: Was würden Sie Bewerbern raten, die sich für eine Karriere im M&A interessieren? Welche Schwerpunkte sollten sie bei ihrer Ausbildung setzen, auf welche fachübergreifenden Fähigkeiten wertlegen?

Herr Cutura: Wichtige Rechtsgebiete für einen M&A-Anwalt sind neben dem allgemeinen Zivilrecht das Gesellschaftsrecht, das Steuerrecht, das Arbeitsrecht sowie das Kartellrecht. Auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse sollten vorhanden sein. Bei den Soft-Skills sollte ein Schwerpunkt auf Organisation und Kommunikation liegen. Unabhängig davon sollte ein Bewerber im Rahmen seiner Ausbildung sich nicht zu sehr auf juristische Fertigkeiten beschränken. Genauso wichtig sind die Herausbildung einer Persönlichkeit sowie das Interesse an Neuem. Wer sich dies bewahrt, wird sich auch in komplexere Fälle schnell einarbeiten können und etwa vorhandene juristische Lücken schnell schließen können.


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