Corporate Law Clinic e.V. Köln

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Deutschlandtour durch die Law Clinics Teil 2: Corporate Law Clinic e.V. Köln

Schon mehrfach haben wir euch Initiativen in Deutschland vorgestellt, die sich ehrenamtlich im Bereich Recht einsetzen. Unser Ziel ist es, hiermit auf Angebote aufmerksam zu machen, die Studierenden nicht nur die ersten praktischen Erfahrungen ermöglichen, sondern auch einen Mehrwert für die Gesellschaft haben. Wir treten in Kontakt mit jungen Menschen, die ihre Freizeit opfern, um ihre neu gewonnenen Kenntnisse für andere eizusetzen.
Um euch zu zeigen, welche Angebote es gibt und wie auch ihr vielleicht ein Teil einer solchen Initiative werden könnt, nehmen wir euch mit auf eine kleine Reise durch das juristisch ehrenamtliche Deutschland und zeigen euch auf dem Weg verschiedene studentische Rechtsberatungen/Law Clinics. Hierbei stellen wir euch Mitglieder der einzelnen Initiativen vor zeigen euch auf, was das ehrenamtliche Engagement einem selbst bringt.

Zweiter Halt: Köln.
Mit mehr als 50 Instituten und 36 Professuren gehört die juristische Fakultät in Köln zu den großen Jurafakultäten der Nation. An der Universität sind knapp 50.000 Studierende eingeschrieben, etwa 5000 davon an der juristischen Fakultät. Angeboten werden neben dem klassischen Studiengang auf Staatsexamen mehrere Bachelor- und Masterprogramme mit internationaler Ausrichtung angeboten.
Doch nicht nur studientechnisch hat Köln einiges zu bieten. Hervorzuheben sind auch einige ehrenamtliche Angebote.

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Heute wollen wir euch den Corporate Law Clinic e.V. vorstellen.
Hier erhalten Startups und junge Unternehmen kostenlose Rechtsberatung durch ehrenamtlich arbeitende Jurastudenten. Unter der Schirmherrschaft von renommierten Professoren und Anwälten beraten die angehenden Juristen auf Augenhöhe junge Menschen mit neuen Geschäftsideen.

Einen von Ihnen haben wir in seiner Funktion als zweiter Vorsitzender der Corporate Law Clinic befragt. Christian Jäger, LL.B., der sich gerade auf sein Examen vorbereitet,hat die CLC Anfang 2015 zusammen mit Max Schmitt gegründet und versucht im Folgenden, uns den Verein, seine Zielsetzung und seine Bedeutung für die Gesellschaft näherzubringen.

Iurratio: Wie ist die Idee entstanden, sich im Rahmen des CLC e.V.s ehrenamtlich für Startups und junge Unternehmer einzusetzen?

Christian Jäger: Die Idee für eine neue Law Clinic hatten Max und ich schon im Herbst 2014. Wir haben uns damals als Wissenschaftliche Mitarbeiter bei PwC Legal ein Büro geteilt und hatten Bock, noch eigenverantwortlicher praktisch zu arbeiten. Wir waren uns einig, dass die Jura-Ausbildung noch immer einen großen Mangel an Praxis hat und das Erlernen von später unerlässlichen soft skills fast völlig auf der Strecke bleibt. Der Erfolg der Refugee Law Clinic Cologne hatte uns gezeigt, dass das Law Clinic Konzept strukturell funktionieren kann. Die Ausrichtung auf Startups und junge Unternehmen war dann auch relativ schnell klar – entsprechender Bedarf im Freundeskreis hat uns diese Entscheidung leicht gemacht. Wir konnten dann unsere jetzigen Schirmherrinnen Frau Prof. Grunewald und Frau Prof. Dauner-Lieb für die Idee gewinnen, haben mit ihnen eine saubere Struktur entwickelt, die Anbindung an die Uni Köln etabliert und mögliche Risiken abgesteckt. Anfang 2015 sind wir dann nach der Vereinsgründung direkt in die Beratung eingestiegen. Inzwischen können wir uns auf 35 Mitglieder verlassen. Wir haben uns anfangs nie so gesehen, aber im Verlauf der Zeit mussten wir erkennen, dass wir da plötzlich auch eine Art Startup hatten. Sowas entsteht ja leider nicht über Nacht, wir haben immer wieder an Strukturen und Abläufen schrauben müssen, aber das macht auch unglaublich viel Spaß – vor allem wenn’s dann richtig fluppt.

Iurratio: An wen richtet sich euer Angebot, wer kann sich an euch wenden und unter welchen Voraussetzungen?

Christian Jäger: Unser Angebot richtet sich an Startups und junge Unternehmen in der Gründungsphase. Wir möchten erreichen, dass die Umsetzung einer spannenden Idee nicht schon daran scheitert, dass das nötige Kleingeld für eine kostenintensive Rechtsberatung fehlt, oder dass Idee nach kurzer Zeit aufgegeben werden muss, weil der Posten für Rechtsberatung am Anfang eingespart wurde. Wir wollen dabei ausdrücklich nicht in Konkurrenz zur niedergelassenen Anwaltschaft treten, sondern sehen uns vielmehr als Auffanginstanz für Gründer, die den Weg zum Anwalt finanziell gar nicht erst gehen können. Von potentiellen Mandanten lassen wir uns deshalb vor der Mandatsannahme darlegen und bestätigen, dass keine liquiden Mittel für eine professionelle Rechtsberatung zur Verfügung stehen. Ändert sich das im Verlauf der Beratung, z. B. weil ein Investor hinzutritt oder ausreichende Umsätze eingefahren werden, dann endet auch das Beratungsverhältnis mit der CLC.

Auf der anderen Seite bieten wir engagierten Studenten einen zusätzlichen Ausbildungsbaustein auf dem Weg zum professionellen Rechtsberater. Der direkte Kontakt auf dem kurzen Dienstweg zu Partnern und Associates von Kanzleien wie CMS Hasche Sigle, TaylorWessing und PwC Legal ist ein weiteres Plus für unsere Mitglieder mit Blick auf das spätere Berufsleben.

Iurratio: Gibt es einen typischen Ablauf der Fallbearbeitung? Wenn ja, wie sieht diese aus?

Christian Jäger: Die Anfragen potentieller Mandanten erreichen uns in aller Regel per Mail. Der Vorstand schaut sich dann den groben Beratungsbedarf an und entscheidet über die Annahme. Wir sind mittlerweile in der komfortablen Situation, uns die spannendsten Rosinen rauspicken zu können. Je nach Umfang und einschlägigen Rechtsgebieten stellt unsere Mandatsverwaltung dann ein Beratungsteam aus drei bis fünf Mitgliedern zusammen. Ab diesem Zeitpunkt stehen die beratenden Mitglieder dann im direkten Kontakt mit dem Mandanten, entwickeln in Zusammenarbeit rechtliche Lösungen und setzen diese selbstständig um.


Iurratio: Auf welche Fachgebiete erstreckt sich eure Beratung? Wie sieht die professionelle Unterstützung aus, die ihr von eurem Beirat erhaltet?

Christian Jäger: Wir konzentrieren uns auf gründungsrelevante Rechtsgebiete, vor allem Gesellschaftsrecht und Arbeitsrecht. Immer wieder spielen auch Verbraucherschutz- und Markenrecht eine Rolle. Vertragsgestaltung und rechtssichere Internetauftritte sind inzwischen unser täglich‘ Brot. Was wir ausdrücklich aus der tiefgehenden Beratung ausklammern sind u. a. Steuerrecht und Patentrecht. Hier können wir dem Mandanten zwar einen guten ersten Überblick geben, glauben aber, dass der Gang zum Profi letztendlich unerlässlich ist. Wir wollen nur in Bereichen beraten, in denen wir überzeugt sind, zusammen mit unserem Beirat eine für studentische Rechtsberatung qualitativ hochwertige Beratung leisten zu können.

Die Einsetzung eines Beirats verstehen wir nicht bloß als reine Formalität. Vielmehr ist die Unterstützung durch die Beiratsmitglieder essentiell für das Funktionieren der CLC. Die Arbeit jedes Beratungsteams beginnt damit, den Sachverhalt herauszuarbeiten und einen groben Fahrplan zu erstellen. Die Mandatsverwaltung weist jedem Team ein Mitglied des Beirats als Mentor zu. Mit diesem stimmt das Team dann zuerst den Beratungsfahrplan ab und weiß das Beiratsmitglied auch im Verlauf der Beratung bei Bedarf stets an seiner Seite. Zum Ende der Beratung prüft das zuständige Beiratsmitglied die Ergebnisse, die dann an den Mandanten gehen. Neben dieser Supervisionstätigkeit unterstützt uns der Beirat zum einen durch die Veranstaltung exklusiver Fortbildungsmaßnahmen aber auch durch ideellen Beistand und Sponsoring. Zudem ist es einfach ein gutes und ermutigendes Gefühl, erfolgreiche Profis zu haben, die hinter der Idee der CLC stehen. Wir waren anfangs zurückhaltend, was die Inanspruchnahme unserer Beiratsmitglieder, die ja alle in zeitintensiven Berufen tätig sind, angeht. Alle derzeit 17 Beiratsmitglieder haben uns aber ausdrücklich signalisiert, ihnen so viel wie möglich auf die Nerven zu gehen.

Iurratio: Wie kann sich ein junger Unternehmer vorbereiten? Wie kann er eure Arbeit durch sein Unterstützung erleichtern?

Christian Jäger: Je konkreter die Anfrage, desto einfacher und schneller gestaltet sich natürlich die Beratung. Trotzdem sind fast alle Mandate in unserem Bereich von Natur aus sehr dynamisch, vieles ergibt sich erst im Verlauf der Beratung. Aber genau das mögen und wollen wir auch, denn praxisnahe Ausbildung heißt eben auch, zu lernen, mit Unvorhergesehenem professionell und entspannt umzugehen. Wichtig ist uns, dass ein potentieller Mandant uns seine Idee vorstellt und das Ganze als Zusammenarbeit und nicht nur als Zuarbeit durch uns versteht.

Iurrario: Auf welche Schwierigkeiten oder Besonderheiten muss sich ein Hilfesuchender einstellen? Entstehen womöglich Kosten?

Christian Jäger: Klar muss sein, dass wir nicht das juristische Komplettpaket einer Kanzlei abdecken können. Deadlines sind auch eher fehl am Platz – wir möchten keins unserer Mitglieder in die Lage bringen, sich verpflichtet zu fühlen, eine ehrenamtliche Nebentätigkeit über Studium und Freizeit zu stellen. Das kommunizieren wir aber auch den Mandanten gegenüber von Anfang an ganz offen und das ist bisher noch nie auf Unmut gestoßen. Wer es eilig hat und keinerlei Risiken eingehen will, der muss sich das auch was kosten lassen und sich an einen Anwalt wenden. Wer uns aber als „Startup für Startups“ versteht, kann davon profitieren, dass für unsere Beratung keinerlei Kosten anfallen. Über die absoluten Fixkosten, die zum Beispiel eine Gesellschaftsgründung mit sich bringen kann, wie Notarkosten u. ä., informieren wir die Mandanten und versuchen auch hier zusammen Einsparmöglichkeiten nutzbar zu machen.

Iurratio: Wie kann man euch unterstützen oder sich bei euch engagieren? Welche Eigenschaften braucht man?

Christian Jäger: Auf Mandatsseite hat sich die CLC im letzten halben Jahr so gut entwickelt, dass wir uns über jedes neue Mitglied freuen und niemand Angst haben muss, ewig auf sein erstes eigenes Mandat warten zu müssen. Hauptvoraussetzung ist, dass man noch nicht denen auf den Leim gegangen ist, die einem glauben machen, für den Blick über den Tellerrand lasse das Jurastudium keine Zeit. Wer sich für Wirtschaftsrecht im weitesten Sinne interessiert, wird bei uns seine Einsatzmöglichkeiten finden. Was den Ausbildungsstand unserer Mitglieder angeht, sind wir schon jetzt so breit aufgestellt, dass wir auch Studenten im Grundstudium einen Einblick in die praktische Beratung ermöglichen können. Wer im Studium weiter ist oder vielleicht sogar schon im Referendariat steckt, bekommt natürlich mehr Verantwortung; aber das ist ja gerade das, was den Reiz ausmacht.

Seine Zeit soll sich bei uns jeder selbst einteilen können; niemand wird in ein Beratungsteam gedrängt. Und auch in der Beratung ist das Zeitmanagement in Absprache mit dem Mandanten sehr autonom und flexibel. Unser Plus ist das „Kostenlos“ der Beratung und das bringt auch die Freiheit mit sich, die Sache für den Einzelnen nicht zur Belastung werden zu lassen.

Wir stehen übrigens nicht nur Jurastudenten offen, sondern auch angehenden Wirtschaftsjuristen und BWLern. Zum einen weil wir gerne unnötige und oft vorurteilsbehaftete Barrieren zwischen den verschiedenen Disziplinen abbauen möchten, zum Anderen aber auch, weil wir in der Beratung immer wieder feststellen, dass die unterschiedlichen Themen immer Hand in Hand gehen müssen.

Iurratio: Gibt es Momente, in denen die Arbeit in einer studentischen Rechtsberatung dir besonders gefällt? Wenn ja, welche?

Christian Jäger: Abgesehen von der praktischen Umsetzung der Uni-Theorie, die man ja sicher auch an anderer Stelle und persönlich lukrativer erfahren könnte, ist es der Kontakt zu unglaublich spannenden Menschen und ihren Ideen, der unbezahlbar ist. Unsere ersten Mandanten waren 2015 fünf ganz unterschiedliche Jungs, die zusammen phänomenal gut funktionieren. Wir haben die fünf dabei unterstützt eine GmbH zu gründen und haben sie auch im Bereich Arbeitsrecht und Compliance beraten. Das erste Mal dann im vollen JackWho, dem Club den sie inzwischen in Ehrenfeld betreiben, zu stehen und zu sehen, was da abseits der rechtlichen Themen auf die Beine gestellt wurde, das vergisst man so schnell nicht wieder. Ganz oft entstehen aus der Beratung Kontakte und Verbindungen, die weit über das Juristische hinausgehen und auch nach Abschluss der Beratung bestehen bleiben.

Iurratio: Hast du den Eindruck, dass dich das Arbeiten mit realen Fällen besser auf dein Examen oder Berufsleben vorbereitet? Profitierst du persönlich davon?

Christian Jäger: Auf jeden Fall, auch wenn die Nagelprobe ja noch aussteht. Ich habe aber das gute Gefühl, dass dieses „weg von Definitionen und Schemata, hin zu Problembewusstsein und der Handhabung unbekannter Rechtsfragen“ so schlecht nicht sein kann. Und unsere Beiratsmitglieder haben uns auch verraten, dass sich sowas im Lebenslauf ganz gut macht.

Iurratio: Wo findet man euch, beziehungsweise wie kann man euch erreichen und kontaktieren?


Christian Jäger:
Für Mandatsanfragen ist sicher das Kontaktformular auf unserer Homepage (www.corplawclinic.de) die beste Anlaufstelle. Interessierte Studenten können sich ebenfalls über die Homepage informieren und finden uns auf Facebook. Dort informieren wir auch regelmäßig über Aktuelles, wobei man ehrlich sagen muss, dass unser Fokus dann doch eher auf der Beratung liegt als auf Facebook-traffic.

Wir danken Christian Jäger für seine Bereitschaft, ein Interview mit uns zu führen.

 

 Deutschlandtour durch die Law Clinics Teil 1: Die Studentische Rechtsberatung der Universität Passau e.V.

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