Der Fachanwalt: Wie und warum Du zum Spezialisten werden solltest!

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Warum sich jeder Absolvent Gedanken über einen Fachanwaltslehrgang machen sollte und was die Voraussetzungen für einen Fachanwalt hierfür sind. 

Das Jura-Studium neigt sich dem Ende oder die Klausuren des zweiten Staatsexamens rücken bedrohlich nahe? Gleichzeitig türmen sich die Zukunftsängste und die Frage „Was möchte ich eigentlich danach machen?“ beschäftigt Dich tagtäglich? Der Fachanwalt in einem von dir favorisierten Rechtsgebiet ist dann eine Alternative, die du unbedingt berücksichtigen solltest!
Warum das so ist und welche Voraussetzungen Du dafür erfüllen musst, wirst Du hier erfahren.

Was ist ein Fachanwalt und welche Tätigkeitsfelder beschäftigen ihn?

Als „Fachanwalt“ wird nach der Bundesrechtsanwaltsordnung derjenige Anwalt bezeichnet, welcher besondere Kenntnisse und Erfahrungen in einem Rechtsgebiet erworben hat. Die Spezialisten ihres Faches stehen ihren Mandanten dann mit besonders ausgeprägtem Know-how zur Seite.

Der Fachanwalt wird in vielen juristischen Institutionen benötigt, da vertiefte Kenntnisse überall gern gesehen sind. Insbesondere Rechtsanwaltsboutiquen rühmen sich mit ihren Spezialisten. Auch die Rechtsabteilungen diverser Unternehmen oder Behörden arbeiten bevorzugt mit Fachanwälten.

Als Jurist mit ausgeprägten Kenntnissen in einem Rechtsbereich sind sie außerdem in der öffentlichen Verwaltung, aber auch in Arbeitgeberverbänden oder Gewerkschaften äußerst willkommen. Zusammengefasst sind Fachanwälte überall dort gefragt, wo vertiefte Kenntnisse von einem Anwalt benötigt werden.

Wie wird man Fachanwalt?

Der Titel zum Fachanwalt wird nach Maßgabe der Fachanwaltsordnung (FAO) vergeben.
Die Voraussetzungen für den Erwerb eines Fachanwaltstitels sind folgende:

  1. Erstes und zweites Staatsexamen
  2. dreijährige Zulassung und Tätigkeit als Rechtsanwalt innerhalb der letzten sechs Jahre vor Antragstellung (§ 3 FAO)
  3. Antragstellung bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer (§ 22 FAO)
  4. Nachweis besonderer theoretischer Kenntnisse (§§ 4, 4a und 6 FAO): Hierzu gehören 120 Kursstunden beim Fachanwaltslehrgang und das Bestehen von mind. 3 Aufsichtsarbeiten im Zuge dessen
  5. Nachweis besonderer praktischer Erfahrungen (§§ 5, 6 FAO): Persönliche und weisungsfreie Bearbeitung von einer bestimmten Anzahl von Fällen im Fachgebiet innerhalb der letzten drei Jahre vor Antragstellung (Anzahl der Fälle variierend je nach Rechtsgebiet)
ÜBERLASSE DEINE MÜNDLICHE PRÜFUNG NICHT DEM ZUFALL!

Erlaubt sind derzeit maximal drei Fachanwaltstitel, § 43c Abs. 1 BRAO.

Kosten und Dauer – Ist der Titelerwerb neben der laufenden Anwaltstätigkeit möglich?

In der Regel werden die Fachanwaltslehrgänge als Präsenzveranstaltungen angeboten, die über mehrere Monate stattfinden und als Bausteine konzipiert sind. Die jeweiligen Bausteine werden üblicherweise in drei Tagen abgehandelt. 3-6 Monate je nach Kursprogramm dauern die Lehrgänge dabei insgesamt für gewöhnlich. In den anwaltlichen Berufsalltag sind die Lehrgänge somit durchaus zu integrieren. Kosten und konkrete Dauer sind von Anbieter und Rechtsgebiet abhängig.
Im Arbeitsrecht etwa belaufen sich die Kosten für den Fachanwaltslehrgang bei ca. 2000 Euro für Junganwälte (mit in der Regel weniger als 3-jähriger Zulassung).

Wer bietet mir einen Fachanwaltslehrgang?

Hier findest du die Namen und den Link zu einigen Anbietern, die dir den Titel „Fachanwalt“ ermöglichen:
Hagen Law School in der iuria GmbH
Bucerius Education GmbH
Fachseminare von Fürstenberg
hemmer/ECONECT Fachanwaltsausbildung GbR (https://www.econect.com/fachanwalt/allgemeines/)
SWA Steuer & Wirtschafts-Akademie GmbH

 

Gebiete, in denen ein Fachanwalt möglich ist:

• Agrarrecht
Arbeitsrecht
• Bank- und Kapitalmarktrecht
• Bau- und Architektenrecht
• Erbrecht
• Familienrecht
Gewerblicher Rechtsschutz
• Handels- und Gesellschaftsrecht
• Insolvenzrecht
• Internationales Wirtschaftsrecht
• IT-Recht
• Medizinrecht
• Miet- und Wohneigentumsrecht
• Migrationsrecht
• Sozialrecht
Steuerrecht
• Strafrecht
• Transport- und Speditionsrecht
• Urheber- und Medienrecht
• Vergaberecht
• Verkehrsrecht
• Versicherungsrecht
• Verwaltungsrecht

Ausführliche Informationen über das jeweilige Rechtsgebiet findest du übrigens in unseren Berufsspecials:

Darum zahlt sich ein Fachanwaltstitel aus

Für Berufseinsteiger ist es wichtig, sich von der Masse der Absolventen abzuzeichnen. Die Möglichkeit hierfür bietet der Fachanwaltstitel. Mit einer frühzeitigen Spezialisierung wird der Junganwalt sich in einigen Jahren einen Ruf im Markt erarbeiten. Dabei ist es natürlich wichtig sich u.a. nach der örtlichen Nachfrage aber auch nach den vorherrschenden Angeboten zu richten.

Hat man als Fachanwalt seinen Platz gefunden, so steigen die Verdienstmöglichkeiten im Verhältnis zu den Mitstreitern ohne Fachanwaltstitel ersichtlich. Laut der Fachanwaltsstudie des Soldan Instituts für Anwaltmanagement können Fachanwälte am Markt um bis zu 40 Prozent höhere Stundensätze abrechnen. Immer mehr Unternehmen und Privatleute entscheiden sich für den Fachanwalt, weil viele Rechtsstreitigkeiten Spezialisten erfordern und der Gang zum Fachanwalt deshalb zweckmäßiger erscheint.

In welchen Gebieten lohnt es sich ganz besonders den Fachanwalt anzustreben?

Je nach Rechtsgebiet kann der Fachanwaltstitel besonders lohnenswert sein. Einige Bereiche erfordern aufgrund ihrer Komplexität und Struktur eine besonders ausgeprägte Expertise, sodass Spezialisten gefragter sind als Generalisten. Hierzu gehören die Bereiche: Steuerrecht, Arbeitsrecht, Handels- und Gesellschaftsrecht, Bank & Kapitalmarktrecht, Gewerblicher Rechtsschutz, Urheber und Medienrecht. Aufgrund der technologischen Entwicklungen wandelt sich auch der Bedarf an Rechtsberatung in diversen Gebieten, sodass die Liste der lohnenswerten Fachanwaltstitel alles andere als abschließend ist.


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