Der LL.M. in Norwich, UK

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Wie geht es nach dem 1. Staatsexamen weiter? Soll ich direkt ins Referendariat gehen oder mache ich doch erst noch einen LL.M.?

Wer bist du? Wie verlief dein Studium bisher?

Ich heiße Christian, bin 24 Jahre alt und habe letztes Jahr mein 1. Examen nach 9 bzw. 10 Semestern an der Universität Trier abgeschlossen. Nach dem ersten Examensversuch habe ich noch einmal meinen Schwerpunkt im Arbeits- und Sozialrecht verbessert. Seit Mitte September wohne ich in Norwich, einer Stadt im Osten Englands und absolviere ein einjähriges LL.M.-Studium an der University of East Anglia.

Wie hast du dich über das LL.M. Studium informiert?

In Trier gab es die Möglichkeit, sich eine Informationsveranstaltung an der Uni anzuhören. Sven Gallasch, Dozent an der Uni Trier, hat einen Vortrag gehalten. Den fand ich ganz gut. Zusätzlich habe ich mir das Buch „Der LL.M.“ von e-fellows geholt und Erfahrungsberichte von diversen Unis gelesen.

Wieso hast du dich dafür entschieden, den LL.M. zu machen? Warum jetzt?

Ich wollte eine Zusatzqualifikation erwerben, die gerade für internationale Großkanzleien relevant ist. So wie ich das mitbekommen habe, ist die Nachfrage nach deutschen Juristen mit Kenntnissen im Englischen Recht sehr hoch. Daraus erhoffe ich mir Etwas.

Danach wollte ich mit meiner Freundin zusammen ziehen und mit dem Referendariat anfangen. Vom Altersschnitt her ist jetzt außerdem der beste Zeitpunkt für den LL.M. In Norwich ist der Altersschnitt nämlich eher sogar noch unter 25. Viele Leute aus anderen Ländern wie Thailand, Indien, USA oder auch die Briten selbst machen ihren Master of Law ein paar Jahre früher, also mit 22 oder 23 etwa. Je älter man ist, desto schwieriger ist es, hier noch einmal ein Unileben und einen Freundeskreis zu haben.

Wie hast du dich darauf vorbereitet?

In Trier habe ich einen Sprachkurs an der Uni gemacht und dann mit einem „Gut“ auf dem Niveau B2 abgeschlossen. Durch die Partnerschaft mit der Uni Trier musste ich keinen TOEFL-Test oder Ähnliches machen.

Wie viel kostet das Programm? Wie finanzierst du es?

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Dadurch, dass die University of East Anglia in Norwich eine Kooperation mit der Uni Trier hat, habe ich eine Reduzierung der Studiengebühren bekommen. Insgesamt sind die Kosten mit ca. 6000€ dennoch sehr hoch. Verglichen mit anderen Unis im UK sind sie dann aber deutlich geringer.

Die Studiengebühren habe ich im Voraus bezahlt, man kann sie aber auch wahlweise stunden. Vorher habe ich Klausuren korrigiert und damit ein bisschen Geld verdient. Zusätzlich helfen mir meine Eltern bei der Finanzierung.

Wie hast du dich dafür beworben? Inwiefern war es hierbei hilfreich, dass die University of East Anglia in Norwich eine Kooperation mit der Uni Trier hat?

Während ich mich auf den Verbesserungsversuch im Schwerpunkt vorbereitet habe, habe ich mit der Korrespondentin der Uni Trier, Ute Goergen, die Bewerbung fertig gemacht. Dadurch, dass das Auswahlverfahren über die Uni Trier lief, musste ich mich nicht an der Uni in Norwich bewerben. Einige Professoren in Norwich kennen auch Professoren in Trier. Ich würde jedem empfehlen, abzuchecken, ob die eigene Uni Partnerschaften mit Universitäten in anderen Ländern hat. Das hat mir Einiges erleichtert.

Wie sieht die Uni-Woche aus? Welche Kurse hast du?

Verglichen mit Deutschland sieht die Woche sehr anders aus. Ich habe 3 normale Vorlesungen und einen Sprachkurs jede Woche. Jede Vorlesung geht ca. 2 Stunden lang, danach bereite ich den Stoff in der Bib nach bzw. vor. Dabei sollte man mit 15-20 Stunden die Woche pro Kurs rechnen.

Die Kurse sind sehr klein – in etwa nur 10-20 Leute. Dadurch kennen einen die Profs nach einer Woche bereits persönlich. Es gibt Meetings, an denen der gesamte Lehrstuhl teilnimmt. Jeder hat einen persönlichen Betreuer, dem er Feedback zum Verlauf des Studiums geben kann. Es gibt in etwa 8 Studenten pro Professor. Die Profs sprechen mit einem regelmäßig u.a. auch über Noten und den weiteren Ablauf.

Es gibt offiziell eine Anwesenheitspflicht, aber darauf wird nicht so sehr geachtet.

Ich habe Interlectual Property Law, Information Technology Law, Copyright and Trademark Law gewählt. Insgesamt hat man eine große Auswahl.

Wie schwierig schätzt du die Kurse bzw. die Klausuren und Hausarbeiten bis jetzt ein?                        

Aktuell habe ich 2 Klausuren hinter mir. Verglichen mit Deutschland sind die nicht so schwer. In einem Kurs konnte man die Unterlagen in die Klausur mitnehmen – „Open Book Exam“. Auch hier sind es nur wenige Fragen, zu denen man dann z.B. einen Essay schreibt. Damit bin ich gut zurechtgekommen.

Außerdem gibt es Hausarbeiten mit ca. 2000-4000 Wörtern. Das ist nicht so viel. Die Hausarbeiten sind quasi Abschlussklausuren.

Wie hat sich dein Englisch entwickelt?

Mein Englisch war vorher auf dem Niveau der 5. bzw. 6. Klasse. Durch die Zeit hier hat sich mein Englisch schon deutlich verbessert. Insbesondere mein Vokabular hat sich vergrößert. In Norwich wird ein Legal English Sprachkurs angeboten, der mir sehr geholfen hat, um insbesondere für die Fachsprache ein besseres Verständnis zu bekommen.

Wie ist es in England bzw. insbesondere in Norwich zu leben?

Bisher finde ich es ganz geil. Ich hatte mir England anders vorgestellt. Dadurch, dass Norwich ca. 200.000 Einwohner hat, ist die Stadt sehr lebendig – und das auch unter der Woche. Die Engländer sind sehr gesellig, höflich und zuvorkommend. Bei Sprachproblemen helfen sie einem oft.

Übrigens läuft hier jeder über rote Ampeln. Es gibt eine große Auswahl an Bier in jedem Pub. Insgesamt finde ich das Essen aber nicht so gut wie in Deutschland. An der Mensa der Uni sollte man hier nicht unbedingt essen. Das Essen da ist nicht so empfehlenswert und auch sehr teuer.

Wie viel kostet der Lebensunterhalt in England?

Die Uni in Norwich stellt ausländischen Studierenden einen Newsletter zur Verfügung, in dem die Lebenshaltungskosten auf 1000 Pfund – das sind ein bisschen mehr als 1100€ – geschätzt werden. Die Miete in Norwich ist wohl deutlich günstiger als in anderen englischen Städten, aber immer noch deutlich teurer als in Trier. Ich bin mit meinen ca. 375€ für die Wohnung noch am günstigsten dran in meinem Bekanntenkreis. Essen und Trinken ist in den meisten Pubs und Restaurants deutlich teurer als in Deutschland.


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