Die Handtasche Luise – vom Student zum Geschäftsführer

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Wer sich auf das erste juristische Examen vorbereitet, kommt an Handels- und Gesellschaftsrecht nicht vorbei. Ob Sachen- und Deliktsrecht nicht vielleicht mehr Examensrelevanz hat – darüber lässt sich streiten. Fakt ist aber, dass das Handels- und Gesellschaftsrecht einen Grundstein für mögliche unternehmerische Tätigkeiten legen kann.
So auch im Fall von Luise. Zwei Studentinnen – Sonja und Moni – wurden durch ihren juristischen Alltag auf eine innovative Idee gebracht.

Plastiktüten in der Bibliothek?

Das Szenario: Man verbringt den halben Tag im juristischen Seminar, der strenge Blick des Bibliotheksaufsehers, der nicht einmal Laptopsleeves billigt und die Dauerbelegung der Schließfächer sorgt für eine gebückte Haltung und ein durch den hilflos balancierten Bücherstapel eingeschränktes Sichtfeld. Wer nicht mit den Turmbau zu Babel mit seinen Lernmaterialien üben möchte, hat zwei Möglichkeiten: Durchsichtige Plastiktüten, deren Ästhetik eher nach Samstagseinkauf als nach junger Dame aussieht. Oder einen sogenannten Bib-Bag, der nicht nur teuer, sondern auch nicht besonders modisch ist.

Beide Optionen waren für Sonja und Moni nicht optimal. Geboren war die Idee für die – zunächst namenslose – Luise.
Mit Nadel und Faden, Kenntnissen im Handels- und Gesellschaftsrecht und einer Menge Mut, gingen sie ihr Herzensprojekt an.
Wir haben die beiden interviewt und wollen euch heute an ihrem Beispiel vorstellen, was man aus einem Jurastudium neben der klassischen Anwaltskarriere so machen kann.

Sonja und Moni von Dähnhardt und Töchter
Sonja und Moni von Dähnhardt und Töchter

 
Iurratio: Stellt euch doch bitte kurz vor.

Moni: Ich bin Moni, 24 und studiere Jura in Hamburg. Im Dezember habe ich meinen Freischuss geschrieben und bete dass es etwas geworden ist! Nebenbei arbeite ich in einer Kanzlei für Familien- und Mietrecht als Mädchen für alles.

Sonja: Ich bin Sonja, auch 24 und studiere mit Moni zusammen Jura an der Uni Hamburg. Ich schreibe mein Examen voraussichtlich Ende 2017, habe also noch etwas mehr vor mir als Moni.
Ich arbeite nebenbei auch in einer Hamburger Kanzlei und mache dort die klassischen Studentenaufgaben wie z.B. Post sortieren und Akten einscannen. Daneben schreibe ich für den Blog der Kanzlei aber auch Beiträge über aktuelle juristische Themen, was mir deutlich mehr Spaß macht als die Post!

Iurratio: Wie seid ihr auf die Idee für Luise gekommen?

Moni: Wir waren es leid, keine Alternative zu Plastiktüten zu haben, die hübsch aussieht und trotzdem hohen Anforderungen gerecht wird. Sobald die Idee da war packte uns der Ehrgeiz- und die Liebe zu dem Projekt!

Sonja: Moni hat es schon gesagt. Die Idee hinter der Bib-Bag fanden wir super, optisch entsprach sie aber nicht unseren Vorstellungen. „Irgendjemand muss das mal in hübscher machen!“ haben wir gedacht, und dann haben wir es einfach selbst in die Hand genommen.

Iurratio: Gab es bei der Unternehmensgründung irgendwelche Schwierigkeiten oder lief alles reibungslos ab?

Moni: Als es soweit war, klappte alles reibungslos. Aber der Weg war wirklich lang: Die Planung, der Kontakt zur Produktion, Spedition, Zoll, Ämter, Notar…

Sonja: Tatsächlich bin ich im Nachhinein positiv überrascht wie gut alles geklappt hat und wie viel positives Feedback wir auch unterwegs bekommen haben. Alle, mit denen wir zusammengearbeitet haben, waren sehr nett und haben uns unterstützt, wenn wir mal wieder kurz überfordert waren.
Ich muss allerdings sagen, dass es zwischenzeitlich auch anstrengende Zeiten gab, vor allem, wenn das Studium gerade mal wieder in einer heißen Phase war. Insgesamt hat aber alles super geklappt und war vor allem ziemlich aufregend!

Iurratio: Inwiefern haben eure Kenntnisse aus dem Studium euch geholfen, den Schritt zu wagen?

Sonja: Es ist sicher hilfreich, wenn man schon mal gehört hat, was eine Gesellschaft ist, bevor man selbst eine gründet. Allerdings ist unser Studium ja sehr theoretisch, so dass ich rückblickend sagen würde, dass wir eher durch die Gründung etwas für das Studium gelernt haben als andersrum.
Was wirklich sehr hilfreich war, ist dass wir durch unsere Nebenjobs bereits den ein oder anderen Kontakt knüpfen konnten. Das hat uns sicherlich einiges erleichtert.

Iurratio: Wie hat „Luise“ eure Zeit in Anspruch genommen? Musstet ihr wertvolle Lernzeit opfern?

Sonja: Eigentlich hat es die meiste Zeit so viel Spaß gemacht, dass es mir nie wie „geopferte“ Zeit vorkam. Rückblickend muss ich aber sagen, dass es zeitweise auch ganz schön viel Kraft gekostet hat. Vor allem als die entscheidende Gründungsphase parallel zu meiner Examenshausarbeit verlief, habe ich die Doppelbelastung deutlich gemerkt. Zum Glück waren wir ja zu zweit und konnten uns die Aufgaben so gut aufteilen, dass unsere Univerpflichtungen nicht zu kurz gekommen sind. (Danke Moni

Iurratio: Warum Luise? Warum nicht Beate oder Ingeborg?

Moni: Haha! Eine sehr gute Frage. Ingeborg gefällt mir gut!
Wir wollten unserer Tasche eine Persönlichkeit geben- modern, ehrgeizig, praktisch und stets stilvoll. Luise war einfach DER Name!

Sonja: Wenn wir demnächst neue Modelle entwerfen kommt Ingeborg definitiv in die nähere Auswahl!

Iurratio: Wem denkt ihr, macht ihr mit eurer Version des BibBags eine besonders große Freude?

Sonja: Unsere Idee war es, eine Bibliothekstasche zu entwerfen, die nicht nur praktisch sondern auch hübsch anzusehen ist. Jede Studentin, die viel Zeit in der Bib verbringt und deshalb eine transparente Tasche sucht, die sie auch voller Stolz außerhalb der Uni tragen kann, ist mit Luise gut bedient.

Iurratio: Wenn ihr heute noch einmal die Wahl hättet, würdet ihr es wieder tun? Was würdet ihr anders machen?

Moni: Auf jeden Fall wieder tun!! Keine Frage. Es hat uns in unserem Mut bestärkt und viele positive Eigenschaften zum Vorschein gebracht! Plötzlich war da sehr viel Durchhaltevermögen, buchhalterische Talente wurden entdeckt und mal ehrlich, wer will sich nicht mal mit „Guten Tag, ich bin die Geschäftsführerin“ vorstellen! Anders machen würde ich nichts. Obwohl doch: früher!

Sonja: Da schließe ich mich an, ich würde es sofort wieder tun. Wir haben wirklich wahnsinnig viel gelernt und es macht vor allem so viel Spaß! Besonders freue ich mich auch über jedes Feedback, dass wir von unseren Kundinnen bekommen. Wir bekommen so süße und liebe Nachrichten, alleine dafür hat es sich schon gelohnt!

Iurratio: Was würdet ihr anderen Jurastudierenden raten, die eine innovative Idee haben und überlegen, sich selbständig zu machen?

Moni: Los geht’s!! Habt keine Angst. Wenn ihr eine gute Idee habt und dahinter steht, werdet ihr den langen Atem und das nötige Herzblut haben. Kalkuliert alles einmal durch und befragt eure Zielgruppe. Auf dieser Basis, Herz und Verstand, werdet ihr den Weg finden.

Sonja: Moni hat recht! Wenn man eine gute Idee hat sollte man sich ruhig dran ausprobieren. Gerade in der Studienzeit ist man noch so frei und ungebunden, dass man ruhig mal etwas wagen kann.
Natürlich ist eine Unternehmensgründung immer auch mit Kosten verbunden. Es gibt aber Fördermittel und man findet für vieles Unterstützer.

 

Wir danken Moni und Sonja für dieses Interview und wünschen ihnen eine erfolgreiche Zukunft mit Luise. Mehr Infos zur Gesetzehüterin findet ihr hier.


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