Die richtige Work-Life Balance

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Lebenskunst besteht darin, die eigene Natur mit der eigenen Arbeit in Einklang zu bringen. - Von Luis de Leon, Schriftsteller

Work-Life Balance

– jeder kennt dieses Wort, doch die wenigsten setzen sich tatsächlich mit seiner Bedeutung und Umsetzung auseinander.

„Gehe in deiner Arbeit auf, nicht unter!“ – Jacques Tati

Der Begriff „Work-Life-Balance“ steht dafür, die richtige Waage zwischen Arbeits- und Privatleben zu halten, ohne einer Seite dabei zu viel Gewicht zu geben.

Woher kommt die Idee einer Work-Life Balance?

Für Arbeitnehmer gibt es einige „Work-Life-Balance“ Konzepte, die ursprünglich in den USA entwickelt und erstmals in den 90er Jahren in Deutschland thematisiert wurden.[1]

Zunehmend werden diese Konzepte von Arbeitgebern übernommen. Sie stellen fest, dass ein ausgewogenes Privat – und Arbeitsleben für ein funktionierendes und erfolgreiches Unternehmen essentiell ist. Einige Unternehmen bieten daher flexible Arbeitsmodelle wie zum Beispiel „Homeoffice“, „Teilzeit“ oder „Gleitzeit“ an. Auch andere Modelle erfreuen sich mehr Beliebtheit auf dem Arbeitsmarkt. Nicht selten sind zum Beispiel die „Langzeitarbeitskonten“, bei denen Überstünden gesammelt und effektiver genutzt werden können oder das Modell des „Sabbatical“, bei dem der Arbeitnehmer eine Auszeit vereinbart, um dann mit neuen und frischen Ideen an den Arbeitsplatz zurückkehrt.

Relevanz in der heutigen Zeit

Die Modelle tauchten zwar erst in den letzten Jahrzehnten auf, dennoch ist ihr Grundgedanke seit Anbeginn der Menschheit verankert. Der Sinn bei der Verbreitung neuer Begriffe und Modelle liegt darin, der Gesellschaft Denkanstöße zu geben.

Neu hinzugekommen ist allerdings, dass der Konkurrenzkampf und der Druck nach Erfolg stetig steigen. Die Gesellschaft fordert neue Rekorde, schnellere und bessere Arbeit, Ellenbogenmentalität und kein Platz für ein „Nein“.

ÜBERLASSE DEINE MÜNDLICHE PRÜFUNG NICHT DEM ZUFALL!

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Der Begriff „Work-Life-Balance“ soll die Menschen wieder aufrütteln und ihnen klar machen, dass es neben der Arbeit noch andere Sachen gibt. Missachtet man diese Grundregel für das Leben kann man nur verlieren. Neben dem oft verlorenen Privatleben wäre es dann auch noch das verlorene Arbeitsleben.

Besonders deutlich wird die Wichtigkeit der richtigen Work-Life Balance, wenn man zwei extreme Gruppen von Menschen hinsichtlich ihres Arbeitsverhaltens vergleicht.

Zu der einen Gruppe gehören diejenigen, die den ganzen Tag arbeiten oder lernen und so gut wie jegliches Privatleben von sich verbannen. Sie meinen durch ihr Verhalten erfolgreicher in der Arbeitswelt zu sein und erachten dies als wichtigstes Element in ihrem Leben. Ein solcher Lebensstil führt nicht selten zu psychischen Erkrankungen, wie dem „Burn-Out“, Depressionen oder anderen Persönlichkeitsstörungen.

Die andere extreme Personengruppe widmen ihrem Leben sehr viel Freizeit, arbeiten zum Teil gar nicht oder neigen zu Prokrastination und beginnen erst kurz bevor es zu spät ist mit ihrer Arbeit. Bei diesen Menschen sind ähnliche Erkrankungen die Folge.

Beide Gruppen haben sich ihr eigenes Stresslevel geschaffen. Ständig zu arbeiten und keinen erholsamen Ausgleich zu haben, kann genauso viel Stress auslösen wie das Nichtstun oder ständiges Aufschieben.

Sehr viel Freizeit zu haben erscheint im ersten Moment womöglich stressfreier, jedoch wird die vermeintliche Entspannungsphase durch unterbewusste Gewissensbisse getrübt. Das Aufschieben von Arbeit bis zum Unvermeidlichem erhöht den Stress zusätzlich durch den entstandenen Zeitdruck.

Was bedeutet dies für den Einzelnen?

Für Selbstständige und Studenten bedeutet „Work-Life-Balance“, dass man sich selbst zu einem ausgewogenen Lebensstil motivieren muss. Genießt man das Privileg frei und unabhängig über seine Zeiteinteilung zu verfügen, muss man sich auf der Kehrseite zwingen seine eigene Balance zu schaffen und den individuellen Bedürfnissen anpassen.

Für Eigenverantwortliche ist es besonders schwer, die Balance zu finden und zu halten. Einerseits trägt man die Verantwortung für seinen eigenen Erfolg im aktuellen oder zukünftigen Berufsleben und andererseits darf auch das eigene Wohl und die Gesundheit nicht vernachlässigt werden.

Besonders Jurastudenten und Juristen bekommen den Leistungsdruck und die Konkurrenz früh zu spüren und vergessen dabei häufig den Ausgleich von Arbeit und Privatleben.

Die Waage in der Hand von Justitia steht für die ausgleichende Gerechtigkeit nach sorgfältiger Abwägung der Sachlage. Dieses Symbol kann ebenfalls als Vorbild für die eigene „Work-Life-Balance“ dienen. Erfolg hängt davon ab, wie gut man seine momentane Sachlage einschätzen und seine eigene Waage halten kann. Bei dem Streben nach Erfolg darf man niemals vergessen, wie wichtig es ist auf seine Gesundheit und ein erfülltes Sozialleben zu achten.

Diejenigen, die diesen Artikel lesen, werden schon einen Teil ihres persönlichen Lebensweges gegangen sein und sich im Laufe der Zeit ein eigenes Konzept für den Ausgleich geschaffen haben. Dennoch ist es wichtig, immer wieder selbst zu reflektieren, welche Bedürfnisse man hat und ob man die richtige Art des Ausgleiches gewählt hat.

Die Beliebteste Form des Ausgleichs zum stressigen Arbeitsalltag ist der Sport – Deine auch? Iurratio hat für Euch die gängigsten Lauftypen zusammengestellt:

joggende Jurastudenten – Joggertypen die jeder kennt

 

Tips damit die richtige Work-Life Balance gelingt:

Das Idealbild ist es, sein Hobby zum Beruf zu machen. Für all diejenigen, die dieses Glück nicht oder noch nicht haben, gibt es einige grundliegende Ratschläge.

Vielen hilft es, wenn sie einen strukturierten Wochenplan haben und sich abends Zeit für sich nehmen oder einen festen Tag in der Woche nur für Hobbys einplanen. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“ und folgt gerne Regeln und einer Struktur. Hilfreich ist es, sich einen festen Wochen-, Monats- oder sogar Jahresplan zu machen und diesen auch einzuhalten.

Beim Anfertigen eines solchen Plans muss man sich zunächst seine Ziele und Wünsche hinsichtlich des Berufs- und des Privatlebens aufschreiben. Diese müssen dabei individuell zu schaffen und auch ehrlich sein. Man sollte sich bewusst machen, was man kann und in welcher Zeit es erreichbar ist. Dabei ist es von großer Bedeutung immer optimistisch und realistisch zu bleiben.

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„Briefe an junge Juristen“ – Teil 2

 

Die richtige persönliche Waage kann man sich auch gut anhand eines Mindmaps oder eines Diagramms erstellen. Es hilft, wenn man sich Gedanken darüber macht, was man zum Glücklichsein braucht. Für einige ist es zum Beispiel von großer Bedeutung, gute Noten, einen guten bezahlten Job oder Lob und Anerkennung bei der Arbeit zu erhalten. Andere brauchen eine funktionierende Partnerschaft und Familie, einen großen Freundeskreis, Sport, kreative oder ehrenamtliche Tätigkeiten, Wellness, abwechslungsreiche Partys, Konzerte, Reisen, Haustiere, ein gutes Buch, Filme und Serien oder sonstiges. Hat man sich seine eigenen Gedanken gemacht, kann man seine Bedürfnisse nach persönlichem prozentualem Gewicht ordnen und sie in den Plan einbetten. Vergessen darf man allerdings nicht, dass auch Freizeitaktivitäten Energie nehmen und genügend Zeit für den Schlaf und alleinige Erholungsphasen eingeplant werden müssen. Eine Work-Life-Balance kann nur funktionieren, wenn der Körper genügend Zeit für seine eigene Entspannung hat. In dieser momentanen Welt von Reizüberflutung können dabei zum Beispiel autogenes Training, Meditation oder Aufschreiben seiner Gedanken helfen.

Als Selbständiger sollte man seine getane Arbeit täglich abschließen und sie nicht gedanklich in die freie Zeit hineintragen. Es hilft, wenn ein abschließendes Ritual eingebaut wird. Dies kann zum Beispiel sein den Arbeitsplatz aufzuräumen, eine To-do-Liste abzuhaken, Stretchübungen zu machen oder seinen Lieblingssong zu hören.

Abschließend sollte der Wohlfühlfaktor im Arbeits- und Privatleben stetig berücksichtigt werden. Man selbst weiß am besten, was einem gut tut und womit man sich wohlfühlen kann. Stimmt etwas in diesen Bereichen nicht, dann kann nur jeder Mensch für sich selbst etwas ändern.

Viel Erfolg beim Finden der persönlichen „Work-Life-Balance“.

 

 

 

[1] Vgl. Sebastian Gauger, Diplomarbeit, Work-Life-Balance. Zur Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben S. 12.