Die Vielfalt des Schwerpunktes – Teil V – „Wirtschafts-, Steuer- und Umweltstrafrecht“

Heute stellt euch Georg Zöllner den Schwerpunktbereich Wirtschafts-, Steuer- und Umweltstrafrecht" vor, den er an der Universität Potsdam absolvierte.

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Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Euch die Vorzüge des juristischen Schwerpunktstudiums nahezubringen. Nicht, indem wir Vor- und Nachteile aufzählen, sondern indem wir euch die Vielfalt des Schwerpunktes zeigen.

Das gesamte Studium über lernen wir das Gleiche, eine Möglichkeit, Alleinstellungsmerkmale zu erwerben, besteht meist nur außerhalb der universitären Veranstaltungen, die Prüfungsinhalt der ersten Pflichtfachprüfung sind.

Der Schwerpunkt bietet die Möglichkeit, praxisnah neue Fertigkeiten zu erwerben und sich intensiv mit einem neuen (vielleicht Rand)Gebiet zu befassen.
Aus diesem Grund werden wir euch in dieser Reihe exotische und interessante Schwerpunktbereiche aus ganz Deutschland vorstellen.

Schwerpunktbereich „Wirtschafts-, Steuer- und Umweltstrafrecht“

Weiter geht es mit einem interessanten Schwerpunkt aus dem Bereich Strafrecht. Georg Zöllner hat sich im Rahmen seines Studiums an der Universität Potsdam für diesen Schwerpunktbereich entschieden und stellt ihn uns nun vor.

Welchen Schwerpunkt hast du gewählt und aus welchem Grund?

Ich habe mich für den Schwerpunkt Wirtschafts-, Steuer- und Umweltstrafrecht entschieden. Dieser gab mir die Möglichkeit meine Kenntnisse in Strafrecht zu festigen, aber auch zu vertiefen. Da ich mir vorstellen kann zukünftig als Strafverteidiger tätig zu werden war das außerdem eine gute Möglichkeit für mich mein Wissen im Strafrecht über den Pflichtstoff hinaus auszubauen.

Welche Leistungen muss man an deiner Fakultät erbringen, um das Schwerpunktzeugnis zu kriegen? Wie sind die Erfordernisse?

Um das Schwerpunktbereichszeugnis an meiner Universität zu erhalten, muss der Student die universitäre Schwerpunktbereichsprüfung erfolgreich absolvieren. Diese besteht aus einer 5-Stündigen Klausur und einer Seminararbeit, die während der vorlesungsfreien Zeit geschrieben und dann im Rahmen eines Vortrages und anschliessender Diskussion verteidigt wird.

Wie beliebt ist dein Schwerpunkt?

Die Beliebtheit der einzelnen Schwerpunkte schwankt zwar vom Semester zu Semester, jedoch ist mein Schwerpunkt konstant gut besucht, ohne dabei sehr überfüllt zu sein.

Wie ist die Betreuungssituation? Sind Praktiker eingebunden?

Die Betreuungssituation ist an meiner Universität (Uni Potsdam) nicht nur in den Schwerpunkten, sondern insgesamt ziemlich gut. Studenten haben die Möglichkeit sich an die Professoren oder die unterschiedlichen Abteilungen des Studienbüros bei Fragen z.B. bzgl. des Schwerpunktbereichsstudiums zu wenden. Außerdem werden bei großen Änderungen oder Neuerungen die Studenten über diese rechtzeitig und umfänglich auf der Homepage und/oder mit Präsentationen informiert.

Im Hinblick auf den Einbezug von Praktikern kann ich, zumindest in meinem Schwerpunkt, diesen bestätigen. Ein mal pro Semester veranstaltet Prof. Dr. Hellmann einen „Kolloquium zu Strategien der Strafverteidigung“ zusammen mit RA Ulrich Bauschulte, wo Strafrechtsfälle aus der Praxis besprochen und Verteidigungsstrategien überlegt werden. Außerdem finden auch regelmäßig zusätzliche, auch internationale, rechtsvergleichende, Seminare in meinem Schwerpunktstudium statt, bei denen die Studenten die Möglichkeit haben die eigene Rechtsordnung (Straftaten) einem ausländischen Publikum vorzustellen und im Gegenzug über ihre Rechtsordnung zu lernen.

Wie schätzt du den Praxisbezug ein / wie die Examensrelevanz / Referendariatsrelevanz?

Das Wirtschafts-, Steuer- und Umweltstrafrecht eine hohe Bedeutung in der Praxis haben, ist nicht von der Hand zu weisen. Solchen Fälle kommt auch häufig eine starke mediale Präsenz zu, sodass es insgesamt nur von Vorteil sein kann hier solide Grundkenntnisse im Studium zu bekommen.
Auch für das restliche Studium ist der Schwerpunkt ziemlich hilfreich, denn, wie oben bereits erwähnt, werden viele Probleme aus dem Allgemeinen Teil und dem Besonderen Teil II hier schon gut verinnerlicht, sodass die anschliessende Examensvorbereitung im Strafrecht insgesamt einfacher fällt. Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass die Seminararbeit, die wir im Rahmen der Schwerpunktbereichsprüfung erstellen, unsere erste Möglichkeit ist eine eigene wissenschaftliche Leistung zu bringen. Diese ist zwar nicht so anspruchsvoll wie etwa eine Doktorarbeit, lässt uns aber Erfahrung bezüglich des wissenschaftlichen Arbeitens insgesamt sammeln.

Was gefällt dir an deinem Schwerpunktbereich? Wo siehst du Verbesserungsbedarf?

Ich bin insgesamt sehr zufrieden mit meinem Schwerpunkt. Vor allem die Probeklausuren und Probeseminare haben mich umfangreich auf den Ernstfall vorbereitet, sodass ich den Schwerpunkt gut abgeschlossen habe. Auch andere Leute aus meinem Schwerpunkt, die ich kenne, konnten dieselbe Erfahrung machen. Dringend notwenige Verbesserungen gibt es aus meiner Sicht nicht.

Zum Abschluss möchte ich noch hinzufügen, dass das Schwerpunktsstudium insgesamt wichtig ist, weil es den Studenten die Möglichkeit gibt zu erkennen, wo ihre Stärken und Interessen liegen. Auch hier kenne ich so einige aus meinem Bekannten- und Freundeskreis, die erst im zweiten Anlauf einen Schwerpunkt gewählt haben, der sie interessiert und indem sie auch leistungsstark sind, weil ihre erste Wahl sich doch als etwas erwiesen hat, was ihen nicht so gut lag. Dieses frühzeitige Erkennen kann durchaus von hoher Bedeutung sein für den späteren Beruf und ist meiner Meinung nach ein weiterer Grund, warum das Schwerpunktbereichsstudium erhalten bleiben sollte.

Wir danken Georg Zöllner für dieses Interview und seinen Beitrag zum Erhalt des juristischen Schwerpunktbereichstudiums in Deutschland.


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