Die Vielfalt des Schwerpunkts – Teil I – Maritimes Wirtschaftsrecht

Der Schwerpunkt bietet die Möglichkeit, praxisnah neue Fertigkeiten zu erwerben und sich intensiv mit einem neuen Gebiet zu befassen. Aus diesem Grund werden wir euch in dieser Reihe exotische und interessante Schwerpunktbereiche aus ganz Deutschland vorstellen.

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Foto: Erwin Lorenzen / pixelio.de

Vor einigen Wochen gab es einige Aufregung unter Studierenden und Lehrenden. Die Diskussion um den Schwerpunktbereich an der Uni und dessen Sinnhaftigkeit wurde erneut aufgenommen. Es wurden Stimmen laut, die den universitären Schwerpunkt abschaffen wollten, es wird über eine Reduktion der Wertung gesprochen. Von 30 auf 20 Prozent der Gesamtnote.
Während einige Studierende den Schwerpunkt als verbesserungsbedürftig ansehen, steht ein großer Teil hinter ihm, fordert eine Angleichung zur besseren Vergleichbarkeit und sieht die Universitäten in der Pflicht, Mankos auszubügeln.
So auch der Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften, der offen in den Dialog geht und seine Meinung deutlich vertritt.
Wir haben es uns nun zur Aufgabe gemacht, euch die Vorzüge des juristischen Schwerpunktstudiums nahezubringen. Nicht, indem wir Vor- und Nachteile aufzählen, sondern indem wir euch die Vielfalt des Schwerpunktes zeigen.
Das gesamte Studium über lernen wir das Gleiche, eine Möglichkeit, Alleinstellungsmerkmale zu erwerben, besteht meist nur außerhalb der universitären Veranstaltungen, die Prüfungsinhalt der ersten Pflichtfachprüfung sind.
Der Schwerpunkt bietet die Möglichkeit, praxisnah neue Fertigkeiten zu erwerben und sich intensiv mit einem neuen (vielleicht Rand)Gebiet zu befassen.
Aus diesem Grund werden wir euch in dieser Reihe exotische und interessante Schwerpunktbereiche aus ganz Deutschland vorstellen.
Wir beginnen mit „Maritimes Wirtschaftsrecht“, angeboten an der Universität Hamburg.
Friedericke Holdorf hat diesen Schwerpunkt gewählt und stellt ihn uns vor.

Friedericke-Holdorf-Seerecht-Hamburg
Friedericke Holdorf

Iurratio: Welchen Schwerpunkt hast du gewählt und aus welchem Grund?

Friedericke: Mein Schwerpunkt ist maritimes Wirtschaftsrecht. Ich bin da über den Jessup Moot Court reingerutscht. In dem Jahr als ich mitgemacht habe, lag das Thema unseres Falls im Seevölkerrecht. Wir sind zur Vorbereitung in die Vorlesungen des Schwerpunkts gegangen und haben Herrn Jessen mit Fragen gelöchert. Ich finde alles, was mit Seefahrt zu tun hat sowieso interessant und nachdem sich an den Moot Court ein fantastisches Praktikum bei einer Seerechtskanzlei anschloss, hatte ich meinen Schwerpunkt gefunden. Es ist genau das, was mir Spaß macht.

Iurratio: Welche Leistungen muss man an deiner Fakultät erbringen, um das Schwerpunktzeugnis zu kriegen? Wie sind die Erfordernisse?

Friedericke: Wir müssen eine Hausarbeit und eine Klausur schreiben und eine mündliche Prüfung ablegen.

Iurratio: Wie beliebt ist dein Schwerpunkt?

Friedericke: Wir sind in den Vorlesungen ca. 50 – 60 Leute und werden mehr.

Iurratio: Wie ist die Betreuungssituation? Sind Praktiker eingebunden?

Friedericke: Unsere Dozenten sind sowohl Professoren als auch Praktiker, letztere kommen aus bekannten Seerechtskanzleien oder von der BSH (Behörde für Seeschifffahrt und Hydrographie). Herr Ramming, unser Dozent für Transportrecht ist Kapitän, Ingenieur und Rechtsanwalt. An anschaulichen Beispielen fehlt es eigentlich in keiner Veranstaltung. In den Vorlesungen ist es problemlos möglich Fragen zu stellen und zu diskutieren, was auch verlangt wird. Unsere Professoren Herr Jessen und Herr Paschke sind immer für uns erreichbar und geben sich sehr viel Mühe allen weiterzuhelfen.

Iurratio: Wie schätzt du den Praxisbezug ein/ wie die Examensrelevanz und wie die Relevanz für das Referendariat?

Friedericke: Der Praxisbezug ist hoch, Die Zusammenstellung der Vorlesungen ist genau auf die Anforderung einer seerechtlichen Kanzlei zugeschnitten. Herr Jessen beginnt jede Vorlesung mit einem aktuellen Ereignis und auch sonst fehlt es nie an praktischen Beispielen. Da wird selbst Versicherungsrecht spannend. Außerdem haben wir die Möglichkeit im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Meet the maritime players“ ins echte Leben reinzuschnuppern und Veranstaltungen von und für fertige Seerechtler zu besuchen und z. B. die Arbeit des Bundes deutscher Reeder kennen zu lernen.

Die Examensrelevanz ist nicht sonderlich hoch. Dafür ist es zu speziell. Für das Referendariat ist es super, wenn man in eine seerechtliche Kanzlei möchte. Da steigen die Chancen exponentiell. Schließlich fällt die komplizierte Einarbeitung in die Thematik weg.

Iurratio: Was gefällt dir an deinem Schwerpunktbereich? Wo siehst du Verbesserungsbedarf?

Ich mag die Internationalität. Die Abkommen und die meisten Texte sind auf Englisch und theoretisch kann ich später weltweit arbeiten. Hauptsache es gibt dort Schifffahrt. Mir gefällt der enge Praxisbezug und die Vielfalt. Wir behandeln hier nicht nur Handelsvorschriften, sondern auch Kollisionsverhütungsregeln und Meeresumweltschutzrecht. Außerdem, wo sonst lernt man den Unterschied zwischen Freibeutern und Piraten.
Es manchmal schwierig Lernmaterial neben den Skripten aus den Vorlesungen zu finden. Es fehlt oft an passenden Lehrbüchern.

Wir danken Friedericke Holdorf dafür, dass sie uns einen Einblick in ihren Schwerpunktbereich gegeben hat.


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