Dogge zertrümmert Arzt das Knie – Frauchen muss 134.000 € zahlen

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§ 833 BGB – Haftung des Tierhalters. In der Vorbereitung auf die Abschlussklausur in der Vorlesung „Gesetzliche Schuldverhältnisse“ durchgenommen, wiederholt und schnell wieder vergessen. Wer allerdings Tierhalter ist, für den kann § 833 BGB eine weitaus größere Relevanz haben, als für den gemeinen Grundstudiumsabsolventen.
So entschied nun das Landgericht Bonn im Falle einer Schadensersatzklage gegen die Halterin eines Boxers. Die zu zahlende Summe ist überraschend hoch. Der Umfang des Schadensersatzes lässt sich allerdings anhand der Umstände leicht nachvollziehen.

Die §§ 249 ff und ihre Ausmaße

Wie jedem bekannt sein dürfte, versteht man unter Schaden jede unfreiwillige Vermögenseinbuße, die der Geschädigte erleiden musste. Nach § 253 Abs. 1 BGB ist Schadensersatz in Geld zunächst für die materiellen Schäden zu leisten. Das sind also die Einbußen an Gütern mit Vermögenswert.
Immaterielle Schäden bezeichnen die Einbußen an Rechtsgütern, die nicht in Geld messbar sind, wie etwa der Körper, die Gesundheit oder die Freiheit. Ein Krankenhausaufenthalt, der durch die Verletzung eines dieser Rechtsgüter hingegen notwendig wurde, ist ein Vermögensschaden, schließlich ist er in Geld zu messen.
Nichtvermögensschäden – immaterielle Schäden – werden nur in Geld ersetzt, wenn dies im Gesetz geschrieben steht (vgl. § 253 Abs. 1 BGB).
Das Schadensersatzrecht umfasst allerdings nicht nur die unmittelbaren Schäden, die auf der verletzenden Handlung beruhen, sondern auch Schäden, die mittelbar an anderen Rechtsgütern entstehen.
Dazu gehören unter anderem Nutzungsausfall und auch der entgangene Gewinn.

Eine lange Rechnung

Im vorliegenden Fall gab es eine Reihe unglücklicher Umstände, die dazu geführt haben, dass die Haftung der Hundehalterin ausuferte.
Nachdem ihr Dogge beim Spielen das linke Knie eines Zahnarztes mit voller Wucht rammte, stürzte dieser mit dem Gesicht voran.
Er erlitt Verletzungen an der Nase, mehrere Prellungen und einen Trümmerbruch im Kniegelenk. Wie oben geschrieben – immaterielle Schäden.

Er musste infolge der Verletzung mehrfach operiert werden, saß im Rollstuhl, ging auf Krücken. Regelmäßige Physiotherapie stand an. Er bekam infolge der Verletzung Arthrose. Nahm durch die mangelnde Bewegung zu und bekam Diabetes. Die Kosten hierfür: Materielle Schäden. Die Rechnung der Hundehalterin wird länger.
Hinzu kam, dass er seine Tätigkeit als Zahnarzt nicht – wie üblich – im Stehen ausüben konnte.
Zeitweise brauchte er einen Assistenten, hatte Verdienstausfälle zu bezeichnen. Die Rechnung der Halterin erweitert sich auf 118.000 €.
Hinzu kam eine Schmerzensgeldforderung – satte 25.000 €, von denen das Landgericht Bonn ihm zwar nur 16.000 € zusprach.
Die zu zahlende Summe beträgt nunmehr 134.000 €, die von der Hundehalterin zu stemmen sind. Sie hatte sich auch nicht gegen die Klage verteidigt. Das Ende dieses Betrages ist nach oben offen, denn es wurde zugleich festgestellt, dass sie auch für weitere Kosten, die auf der ursprünglichen Verletzung beruhen, aufzukommen hat.
Besonders ärgerlich: Die Privatpflichtversicherung der Frau kommt für die Kosten nicht auf, der Hund ist hier nicht mitversichert. Während Katzen und andere Kleintiere oftmals von der Haftpflichtversicherung umfasst sind, empfiehlt es sich, für größere Tiere eine gesonderte Versicherung abzuschließen. Pferde- und Hundehaltern wird dies nahegelegt.
So werden im Schadensfall Schäden in Millionenhöhe abgedeckt.
Pflicht ist diese Versicherung nicht, im Einzelfall ist sie aber zu empfehlen. Ein Jahresbetrag von 40 bis 100 Euro steht hier einer Zahlung gegenüber, die die Hundehalterin in den Ruin treiben könnte.

Klage gegen den Hundesportverein abgewiesen

Der Zahnarzt hatte auch den Hundesportverein Spich verklagt, wo der tragische Vorfall sich 2012 ereignet hatte. Während die Satzung es vorsah, dass Mitglieder eine derartige Versicherung für ihre Hunde haben, wurde dies bei den Mitgliedern nämlich nicht nachgeprüft. Darin sah der Betroffene eine Pflichtverletzung.
Das Landgericht Bonn hatte allerdings festgestellt, dass eine Kontrolle des Vereins nicht notwendig war, weil die Haftpflicht als eine Verpflichtung der Mitglieder untereinander zu werten sei. Deswegen wurde die Klage gegen den Verein abgewiesen.

Nach dieser Rechnung, die die harmlos anmutenden §§ 249 ff BGB in Dimensionen darstellt, die sich oft nur erahnen lassen, bleibt Folgendes festzuhalten:

ÜBERLASSE DEINE MÜNDLICHE PRÜFUNG NICHT DEM ZUFALL!

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