„Großkanzlei Kenn dein Limit“ – Kampagne von „Die PARTEI HSG“ (Bucerius Law School)

"Großkanzlei Kenn dein Limit" - Die Kampagne von „Die PARTEI HSG BLS“ sorgt für Schmunzeln - Die Facebook-Kampagne zog jüngst große Aufmerksamkeit auf sich.

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Foto von "Die Partei HSG BLS"

Der Dezember ist ein Monat, der an vielen Unis von bunten Bildern geprägt ist. Die Wahlen zum Studierendenparlament, den Fakultätsvertretungen, der Engeren Fakultät und anderen Gremien der studentischen Selbstverwaltung werden gewählt.
Während einige Universitäten im Sommer Hochschulwahlen haben, konzentriert man sich an anderen auf die kalte Jahreszeit.

Wähler werden mit Glühwein und Spekulatius geködert, die Studierendenvertreter geben sich große Mühe, die Aufmerksamkeit der Wähler zu erhaschen. Leider sind diese Bemühungen nur selten von Erfolg gekrönt. Eine Wahlbeteiligung von 15 % wird vielerorts als Erfolg gefeiert.

Von vielen Hochschulgruppen bekommt man allerdings außerhalb der Wahlen nur sehr wenig mit.

„Großkanzlei Kenn dein Limit“ – Kampagne von „Die PARTEI HSG BLS“ sorgt für Schmunzeln

Anders ist es mit der PARTEI Hochschulgruppe der Bucerius Law School. Ihre Facebook-Kampagne zog jüngst große Aufmerksamkeit auf sich.

Den Beitrag bei facebook findet ihr hier.

Wir haben ein Interview mit Philip Heider (20), Sonderbeauftragter der PARTEI für gesundheitliche Aufklärung und Elitenförderung sowie Gründungsmitglied der HSG, geführt. Dieser Beitrag könnte Spuren von Ironie oder Sarkasmus enthalten.

Iurratio: Wer ist „Die PARTEI HSG BLS“ und wofür steht sie?

ÜBERLASSE DEINE MÜNDLICHE PRÜFUNG NICHT DEM ZUFALL!

Philip: Wofür wir stehen ist gänzlich irrelevant. Es geht nicht darum Inhalte zu schaffen, sondern eben diese zu überwinden. Unsere Kommilitonen werden im Studium schon hinreichend mit mehr oder weniger wichtigen Inhalten überflutet. Da müssen wir nicht mitziehen. Grundsätzlich lässt sich sowieso in der politischen Landschaft eine Tendenz weg von Inhalten feststellen.

Ich könnte Ihnen sagen wofür wir stehen, das hätten sie morgen allerdings bereits wieder vergessen. Was Ihnen allerdings in Erinnerung bleiben wird, ist, dass wir 1.162 likes und ein 4,8 Sterne Rating bei Facebook, die hübschesten Mitglieder haben und die bisher bestbesuchte Hochschulveranstaltung der Geschichte der BLS organisiert haben. Inhalte sind aus der Ära Kohl und vollkommen überbewertet.

Was wir allerdings aktiv tun ist Aufmerksamkeit schaffen, und das auch global. Eine intensive Analyse unserer Follower ergab, dass wir insbesondere in Ägypten, Tunesien und in Fernostasien Unterstützer haben. Dank unserer Arbeit konnten wir unsere treuen Fans über Missstände in westlichen Großkanzleien aufklären. Darauf sind wir auch etwas stolz.

Iurratio: Was ist eure Motivation, euch ehrenamtlich in der Hochschulgruppe zu engagieren?

Philip: Die Motivation unserer Arbeit ist egoistischer Natur. Jedes Mitglied der Hochschulgruppe neigt zur Exzentrik. Wir stehen alle gerne im Mittelpunkt und haben Spaß daran, andere zu ärgern. Das Umfeld dafür ist an der Bucerius Law School ideal. Außerdem hat die Studentenvertretung (bald Studentinnenvertretung, aus Gender-Gründen) uns Gelder bewilligt. Ehrenamt kann man das also sowieso nicht nennen.

Iurratio: Eure neueste Facebook-Kampagne ist angelehnt an die Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.“. Woher stammt die Erkenntnis, dass der Alltag in der Großkanzlei ähnlich gefährdend sein kann?

Philip: Niemand hat was gegen Alkohol. Wenn man zu viel Alkohol trinkt, ist man allerdings irgendwann tot. Genauso ist das mit Großkanzleien. Es geht gerade bei uns diese Idee um, nach dem Studium zwei/drei Jahre Großkanzlei zu ballern, ordentlich zu cashen und anschließend was Anderes zu machen.

Mit unserer Kampagne wollen wir auf die Tücke der Großkanzleien aufmerksam machen: Passt auf! Sie ködern euch mit sechsstelligen Jahresgehältern, einem Dienstwagen und der Aussicht auf noch mehr Jahresgehalt und Dienstwagen. Allerdings rauben sie euch im Austausch dafür Stück für Stück eure Seele, bis nichts mehr als eine leere Paragraphenhülle übrigbleibt.

Ein bisschen Großkanzlei ist ja verständlich, hat keiner was gegen. Allerdings gilt das Motto: „Kenn dein Limit!“ Leb dein Leben, bevor du es an eine Großkanzlei verkaufst!

Iurratio: Was wollt ihr mit der Kampagne erreichen?

Philip: In erster Linie geht es uns um die Gesundheit unserer Kommilitoninnen und Kommilitonen und darum sie über die Risiken von Großkanzleien aufzuklären. Noch viel zu viele – gerade an unserer Hochschule – landen nach ihrem Studium in einer Großkanzlei mit dem Glauben jetzt etwas erreicht zu haben. Aber genau das ist ihre Masche, am liebsten werden die Jungen und Frischen abgegrast.

Wer überlebt hat Aussicht darauf mal Partner zu werden, das Burnout-Material wird beiseite geschmissen. Unsere Message deshalb: Ja Geld ist geil, aber seid euch bewusst, worauf ihr euch einlasst!

Iurratio: Eure Kampagne wird allgemein als erheiternd aufgefasst. In eurer Info distanziert ihr euch aber klar von Spaß-Parteien. Wie hebt ihr euch von solchen ab?

Philip: Inhalte, ganz eindeutig Inhalte. Wir werden nicht gerne in einen Topf geworfen mit Spaßparteien wie der FDP. Die PARTEI steht für seriöse und bierernste Turbo-Politik, dass wollten wir mit unserem Frontalangriff auf das System „Großkanzlei“ einmal mehr deutlich machen.

Iurratio: Was ist eurer Meinung nach das wichtigste Thema, mit dem sich eine juristische Hochschulgruppe kritisch auseinandersetzen sollte?

Philip: Was ist Gerechtigkeit? Lohnt es sich nur für gute Bezahlung Tag ein, Tag aus die schmutzige Wäsche irgendwelcher Wirtschaftsriesen zu waschen, nur um den sozialen Status und das sechsstellige Jahresgehalt zu bekommen, den eine Großkanzlei verspricht?

Eine Großkanzlei besteht nicht nur aus Monstern, keine Frage. Allerdings sind auch die 60+ Stunden/Woche und die Erwartung seine Freizeit und mehr für die Kanzlei zu opfern kein Gerücht. Auf der Einführungsveranstaltung eines Praktikums, das ich in einer Großkanzlei absolvierte, sagte der Vorsitzende besagter Kanzlei in etwa:

‚Klar können Sie in der Behörde anfangen. Dann haben Sie vielleicht viel Zeit, allerdings verdienen Sie dann auch nicht genug, um irgendwas damit anzufangen.‘

Mir wurde in dem Moment deutlich mit welcher morbiden Einstellung wohl tatsächlich einige Anwälte durchs Leben gehen, ob nun von sich aus oder weil es ihnen so beigebracht wurde. Solcherlei Denkweisen mal kritisch zu reflektieren, würde glaube ich vielen ganz guttun!

Iurratio: Wie kann man Teil eurer Hochschulgruppe werden?

Philip: Schreibt uns einfach eine Mail an PARTEI@law-school.de und schreibt euch zum nächsten Sommer an der BLS ein. Aber auch wenn ihr nicht Teil des Systems werden möchtet, könnt ihr uns auf Facebook stalken oder uns Fanpost schreiben, wir sind für alles offen! xoxo

Iurratio: Vielen Dank für das Interview!


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