Interview mit Prof. Dr. Fricke zu Karriereperspektiven im Sportrecht

22
Teilen

Interview mit Rechtsanwalt Prof. Dr. Ernst Fricke im Rahmen unseres Berufsspecials zum Sportrecht zu Anforderungen, Möglichkeiten und aktuellen Themen im Sportrecht.

Prof. Dr. Ernst Fricke, Rechtsanwalt, Mediator und Lehrbeauftragter für Medienrecht an der Katholischen Universität Eichstätt – Ingolstadt sowie Mitglied des Deutschen Journalisten Verbandes Mecklenburg-Vorpommern
Prof. Dr. Ernst Fricke, Rechtsanwalt, Mediator und Lehrbeauftragter für Medienrecht an der Katholischen Universität Eichstätt – Ingolstadt sowie Mitglied des Deutschen Journalisten Verbandes Mecklenburg-Vorpommern

Wie sind Sie zum Sportrecht gekommen?

Prof. Dr. Fricke: Bevor ich das erste juristische Staatsexamen machte, habe ich die Zwölfte Lehrredaktion der Deutschen Journalistenschule besucht und war damals als Eishockey-Reporter für den Münchner Merkur, die tz und die auswärtigen Mannschaften zuständig, die beim EV Landshut in der 1. Bundesliga antraten. Das war die große Zeit von Alois Schloder und Erich Kühnhackl, die heute Eishockeylegenden sind.

Als junger Anwalt wurde ich dann vom EV Landshut zum Vorsitzenden des Schiedsgerichts des Deutschen Eishockeybundes (DEB) vorgeschlagen – „Der versteht etwas vom Eishockey als Reporter und ist jetzt auch noch Volljurist“, war wohl der Grund für meine Wahl beim Verbandstag in Hamburg. In der Folgezeit habe ich ehrenamtlich circa dreihundert Schiedsgerichtverfahren pro Jahr entschieden und musste deshalb sogar eine eigene Sekretärin einstellen, die dann allerdings der DEB bezahlte. Nach zwei Jahren hatte ich aber als Vorsitzender dieses „Gerichts“ alles schon einmal erlebt und stellte mich nicht mehr zur Wiederwahl.

Jetzt kamen aber die Eishockeyspieler mit ihren Rechtsproblemen zu mir als jungem Anwalt und ich konnte deren Anträge an das Schiedsgericht in deren Auftrag und gegen Anwaltshonorar formulieren. Das waren teilweise sehr spannende Rechtsfragen: Ist ein früherer Kanadier, der die deutsche Staatsangehörigkeit bekommen hat, „eishockeyrechtlich“ noch dem „Ausländerkontingent“ des DEB zuzurechnen? Oder, sind die Bestimmungen zum Vereinswechsel des DEB mit dem Recht der freien Berufswahl nach dem Grundgesetz nicht zu vereinbaren?

Insoweit ist das Sportrecht bis heute immer ein Teil meiner täglichen Anwaltsarbeit geblieben und ich habe dann auch als Anwalt in weiteren Nischenbereichen des Sportrechts gearbeitet: Für einen afrikanischen Fußballer eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland beantragt (und erhalten), für ausländische Fußballer bei der Berufsgenossenschaft wegen Invaliditätsanerkennung Prozesse geführt.

Auch das Medienrecht und das Sportrecht haben gemeinsame Schnittmengen. Nachdem ich seit 1989 an der Katholischen Universität Eichstätt Medienrecht und Gerichtsberichterstattung im Studiengang Journalistik unterrichte, habe ich auch hier aus allen Sportbereichen Mandanten bekommen, die medienrechtliche Probleme hatten.

Zuletzt habe ich im Rahmen der „ergänzenden Berichterstattung“ gegenüber dem IOC durchsetzen können, dass der ehemalige Kapitän der Deutschen Eishockeynationalmannschaft Alois Schloder nicht mehr als „Dopingsünder“ sondern dort vielmehr als „Dopingopfer“ geführt wird und so medial vollständig rehabilitiert wurde.
Alois Schloder ist als Eishockeystar in der „Hall of Fame“ und alle vier Jahre zu Zeiten von Olympiaden wurde aus Medienarchiven der unzutreffende Vorwurf „aktiviert“, er sei „der erste Dopingsünder Deutschlands“ gewesen. Das war falsch. Sogar die BILD-Zeitung hat sich strafbewehrt unterworfen – wie viele andere Print- und Onlinemedien ebenso.

Das Sportrecht ist breit gefächert und besteht aus vielen Teilgebieten. Wie ist Ihre Kanzlei intern strukturiert?

Prof. Dr. Fricke: Auch Sportler stehen manchmal vor den Trümmern einer Ehe und suchen dann eine Scheidungsanwältin/Scheidungsanwalt. Wir haben eine Familienrechtsabteilung, die sich dann um maßgeschneiderte Lösungen – möglichst auch mithilfe von Mediation – kümmert.

Den Bereich des Öffentlichen Rechts und Sozialrechts decke ich persönlich ab, ebenso das Medienrecht. In vielen Bereichen habe ich entsprechende Publikationen verfasst, im journalistischen Bereich vom Lehrbuch „Recht für Journalisten“ im Konstanzer Universitätsverlag (UVK), 2. Auflage, bis zu Beiträgen in Sammelbänden. Vereine vertrete ich nach wie vor bei Spielgerichtsverfahren und auch bei zivilrechtlichen Auseinandersetzungen mit anderen Vereinen und Gegenspielern, sowie Vertragsangelegenheiten.

Für eine Tätigkeit im Sportrecht ist es häufig erforderlich auch in ein breites zivilrechtliches und wirtschaftliches Wissenspektrum mitzubringen. Wie decken Sie diese Anforderungen in Ihrer Kanzlei ab? Wie findet die Zusammenarbeit mit den Spezialisten für diese Bereiche in Ihrem Hause statt?

Prof. Dr. Fricke: Wir haben starke Kooperationspartner. So haben wir mit dem auch überregional tätigen Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Dipl.-Kfm. Johann Westermeier jemanden, der von der Gesellschaftsgründung bis zum internationalen Steuerrecht Sportler wirtschaftlich beraten und vertreten kann. Wir haben außerdem mit unserer Wirtschaftsjuristin Carolin Meier, LL.B., jemanden, die den gesamten Bereich des Zivilrechts abdeckt. Für Arbeitsrecht haben wir mit Herrn Rechtsanwalt Dieter J. Maier einen Fachanwalt für Arbeitsrecht in unseren Reihen.

Inwieweit trifft dies auch Ihre Erwartungen an Bewerber? Erwarten Sie von Anfang an eine starke Spezialisierung im sportrechtlichen Bereich zusätzlich zu breiten Kompetenzen im Zivilrechtrecht? Oder findet hier auch ein „Training on the job“ im Sinne eines Heranführens von kleinen zu großen Aufgaben statt?

Prof. Dr. Fricke: Das Letztere ist der Fall. Die Berater haben sich doch nach den Mandanten zu richten und jedes Problem verlangt nach rechtlich seriösen und individuellen Lösungsvorschlägen. Mithin ist ein „Training on the job“ die beste Methode.

Neben juristischem Fachwissen werden oft weitere „Soft-Skills“ erwartet. Gerade im Sport gehört ein gewisser Sportgeist dazu. Auf welche Anforderungen der Branche müssen sich Bewerber im Bereich des Sportrechts einstellen?

Prof. Dr. Fricke: Die Zeit der „Einzelkämpfer“ im Anwaltsmarkt ist wohl vorbei. Wichtig ist neben sportlicher Begeisterung eine Einbindung in ein kollegiales Umfeld, wo die Experten dem Berater dann zuarbeiten und gemeinsame Lösungen entwickelt werden. „Universalisten“ sind ebenso gefragt wie „Spezialisten“. Das Motto „Gemeinsam sind wir stark“ gilt auch in diesem Bereich. Es nutzt nichts, über die „Unzulässigkeit des Lizenzspielerstatus in der Deutschen Fußball Liga (DFL)“ mit Bestnote promoviert zu haben und keine Praxiserfahrung im Sportrecht zu haben. Das kommt beim „Training on the job“ dann allerdings von alleine.

Gibt es bestimmte Trends, auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Kommerzialisierung des Sports, auch die heutige Bewerber vorbereitet sein sollten?

Prof. Dr. Fricke: Interdisziplinarität ist wohl der richtige Lösungsansatz. Von Ludwig Thoma, selbst Rechtsanwalt, stammt das Zitat: „Er war ein guter Jurist und auch sonst von mäßigem Verstande“. Nur wenn man mit Wirtschaftsjuristen, Wirtschaftsprüfern und Medienrechtlern gemeinsam Mandanten berät, kann man im Sinne der Mandanten „erfolgreich“ sein.

Was würden Sie Bewerbern raten, die sich für eine Karriere im Bereich des Sportrechts interessieren? Welche Schwerpunkte sollten sie bei ihrer Ausbildung setzen, auf welche fächerübergreifende Fähigkeiten wertlegen?

Prof. Dr. Fricke: Ein Generalist wird jeder im Rahmen seiner juristischen Ausbildung – zum Staatsexamen weiß man (fast) alles. Zum Spezialisten kann man nur „heranreifen“ und deshalb ist es empfehlenswert, sich im Sportrecht auch „Nischen“ auszusuchen, um dann fächerübergreifend als Sportrechtler erfolgreich zu sein, zum Beispiel als Anwalt auch ein erfolgreicher Spielerberater zu werden. Ein „Klein-Klein“ hilft ebenso wenig wie ein „Groß-Groß“.

Im Sportrecht gab es immer wieder große Schlagzeilen, manchmal kamen sie aus der FIFA oder aus den Dopinglaboren der olympischen Sportverbände. Was verfolgen Sie gerade an aktuellen Entwicklungen?

Prof. Dr. Fricke: Mich interessiert die Entwicklung der „Verbandsgerichtsbarkeit“ ganz allgemein sowie die fehlende Kontrolle der FIFA und der olympischen Sportverbände durch staatliche und deshalb unabhängige Gerichte. Ohne staatliche gerichtliche Kontrolle hebt so mancher Funktionär auf Dauer ab und die amerikanische Justiz hat bei Sepp Blatter gezeigt, was hier eigentlich an Kontrolle durch die staatliche (Straf-)Justiz möglich ist.

Die grundsätzliche Kontrolle von Sportgerichtsentscheidungen durch staatliche Gerichte sollte auch in Deutschland ausgebaut und von der Rechtsprechung zugelassen werden. Die Entscheidung des BGH in der Causa Pechstein war insoweit kontraproduktiv. Eine demokratische Kontrolle „Im Namen des Volkes“ ist hier nicht nur unter theoretischen Gesichtspunkten in Universitätsseminaren zu begrüßen. Das beschäftigt mich sehr.


Anzeige Banner (728x90)