"Der Bereich IT-Recht ist durch die zunehmende Technologisierung und Digitalisierung äußerst zukunftsträchtig."

IT-Recht

Interview mit Rechtsanwalt Philipp Busse über die Tätigkeit im IT-Recht

In unserer Interviewreihe für unsere Berufsspecials haben wir Rechtsanwalt Philipp Busse (SCHULTE RIESENKAMPFF.) hinsichtlich seiner Tätigkeit, den Anforderungen sowie Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich IT-Recht (Informationstechnologie) befragt.

 

Rechtsanwalt Philipp Busse (SCHULTE RIESENKAMPFF., IT-Recht)

 

Tätigkeit

iurratio: Sie sind bei SCHULTE RIESENKAMPFF. im Bereich des IT-Rechts tätig. Was hat Sie dazu bewogen, sich für diesen Bereich zu entscheiden?

Philipp Busse: Der Bereich ist sehr dynamisch. Die Zahl der Fragestellungen von Unternehmen im IT-Recht nimmt stetig zu, da immer mehr Prozesse IT-basiert gesteuert werden und immer mehr Daten verarbeitet werden. Ein weiterer Grund ist eine Affinität zu technologischen Abläufen.

 

iurratio: Inwieweit ist ihre Erwartungshaltung an das Fachgebiet IT-Recht erfüllt worden? Was waren die größten Überraschungen?

Philipp Busse: Die Erwartungshaltung ist vollends erfüllt worden. Es begegnen einem täglich spannende, innovative Fragestellungen. Überraschend war durchaus, dass der Bereich IT-Recht nicht nur klassische Software- oder Hardwareverträge, sondern viel breitere Themenstellungen umfasst. Angefangen von datenschutzrechtlichen Fragen über elektronischen Geschäftsverkehrs bis hin zu Kennzeichenrecht.

 

iurratio: Es ist ein Wandel der Gesellschaft hin zur IT-Gesellschaft zu beobachten. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf Ihren Arbeitsalltag?

Philipp Busse: Der Bedarf an Beratung im IT-Recht steigt immer weiter und sorgt für umfangreiche Betätigungsfelder für Rechtsanwälte. IT-rechtliche Fragestellungen beschäftigen nicht mehr nur Unternehmen im IT-Bereich, sondern Unternehmen aus allen Bereichen und unabhängig von ihrer Größe. Der Bereich Datenschutz ist aktuell allgegenwärtig.

 

iurratio: Womit muss der Anwalt an einem typischen Arbeitstag im Bereich des IT-Rechts rechnen?

Philipp Busse: Es ist häufig notwendig, vor der juristischen Bewertung einer Anfrage zunächst mit dem Mandanten zu erörtern, wie das Produkt genau funktioniert oder funktionieren soll. Nur so kann eine präzise juristische Prüfung erfolgen. Somit muss sich der Anwalt häufig in neue Technologien oder technische Zusammenhänge einarbeiten und eindenken. Einen großen Teil der Arbeit umfasst die Gestaltung von Verträgen. Häufig werden von Mandanten aber auch konkrete rechtliche Fragestellungen aufgeworfen, die im Rahmen von Rechtsgutachten zu bewerten sind.

 

iurratio: Was sind die aktuell spannendsten Fragen im IT-Recht aus Ihrer Sicht?

Philipp Busse:  Mit der Änderung der Rechtslage im Zusammenhang mit der Datenschutz-Grundverordnung und der ePrivacy-Verordnung gehen aktuell zahlreiche spannende Fragen einher. Darüber bringt jede neue Technologie auch interessante Rechtsfragen mit sich.

 

Anforderungen

iurratio: Welche Qualifikationen bzw. welche Soft Skills sind für eine anwaltliche Tätigkeit im Bereich des IT-Rechts vorteilhaft bzw. notwendig? Auf welche Anforderungen der Branche müssen sich Bewerber hier einstellen?

Philipp Busse: Hauptsächlich muss ein Interesse an Technologien und die Bereitschaft bestehen, sich in neue komplexe Thematiken einzuarbeiten. Es ist wichtig, technische Sachverhalte schnell erfassen zu können.

 

iurratio: Welche Anforderungen stellen Sie an Referendare für eine Stage bzw. an Berufsanfänger für eine Tätigkeit in Ihrer Kanzlei?

Philipp Busse: Es sollten Vorkenntnisse in der allgemeinen Vertragsgestaltung bestehen. Wünschenswert sind zudem Vorkenntnisse im IT-Recht bzw. Datenschutzrecht, die im Rahmen des Studiums oder Praktika bzw. Stationen während des Referendariats erworben wurden.

 

Weiterbildung

iurratio: Welche Zukunftsaussichten sehen Sie für Berufseinsteiger im Bereich des IT-Rechts?

Philipp Busse: Der Bereich IT-Recht ist durch die zunehmende Technologisierung und Digitalisierung äußerst zukunftsträchtig. Durch neue Technologien und Weiterentwicklungen kommen immer wieder neue rechtliche Fragestellungen auf, die rechtlich bewertet werden müssen.  Die Zukunftsaussichten sind demnach sehr gut.

 

iurratio: Welche Aus/Weiterbildung im Bereich des IT-Rechts würden Sie Junganwälten ans Herz legen?

Philipp Busse: Sinnvoll ist in jedem Fall, den Fachanwaltslehrgang im IT-Recht zu absolvieren. Darüber hinaus werden im IT-Recht zahlreiche interessante Seminare angeboten. Im Datenschutzrecht kann Expertise durch eine Zertifizierung als Datenschutzbeauftragter aufgebaut werden.

 

iurratio: Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gewährt Ihre Kanzlei?

Philipp Busse: SCHULTE RIESENKAMPFF. unterstützt Anwälte bei jeglichen Weiterbildungsmöglichkeiten, insbesondere natürlich beim Fachanwaltslehrgang.

 

iurratio: Was würden Sie Bewerbern raten, die sich für eine Karriere im IT-Recht interessieren? Welche Schwerpunkte sollten sie bei ihrer Ausbildung setzen, auf welche fachübergreifenden Fähigkeiten wertlegen?

Philipp Busse: Es ist sinnvoll, sich möglichst früh zu spezialisieren und praktische Erfahrungen in dem entsprechenden Bereich zu sammeln. Interessant ist im IT-Recht insbesondere die Schnittstelle zum Gewerblichen Rechtsschutz und natürlich der Bereich Datenschutzrecht. Darüber hinaus sind Erfahrungen in der allgemeinen Vertragsgestaltung auch für den Bereich IT-Recht sehr förderlich.

 

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