Keine Bindung der Pflichtpraktika an die vorlesungsfreie Zeit?

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Rechtsdidaktik-Tagung in Passau – Keine-Bindung der Pflichtpraktika an die vorlesungsfreie Zeit?

In Passau fand am 12. und 13. September 2016 die dritte Rechtsdidaktik-Tagung statt. Es ging um die Suche nach einer Antwort auf die Frage, inwieweit die deutsche Juristenausbildung den Anforderungen morderner juristischer Berufe genügt.
Das Institut für Rechtsdidaktik an der Universität Passau kooperierte mit ELSA, um eine Veranstaltung zu organisieren, die neben Austausch und Dialog über Verbesserungsansätze im Jurastudium und im Referendariat den Teilnehmern auch die Vorzüge der schönen Stadt am Dreiflüsse-Eck zeigen sollte.

Was muss die Juristenausbildung heute leisten?

Unter dem Thema „Was muss die Juristenausbildung heute leisten?“ wurde Kritik am Jurastudium geübt, über die Verzahnung von Studium und Referendariat diskutiert und auch das Thema der Praxisanteile im Jurastudium behandelt.
Viele Vertreter der juristischen Ausbildung waren dabei und gaben Einblick in den Alltag dieser.
Ein weiterer Fokus wurde auf die juristische Ausbildung jenseits staatlicher Universitäten gelegt. Das stetig wachsende Angebot privater Studiengänge mit oft wirtschaftlicher Ausrichtung bietet Chancen, wird aber auch kritisch betrachtet.

Das juristische Pflichtpraktikum im Fokus

Von besonderem Interesse erscheint vor Allem die Diskussion um das juristische Praktikum im Jurastudium (Hier findest Du unsere Übersicht über die Anforderungen an das juristische Praktikum in den jeweiligen Bundesländern) oder – wie sie in den meisten Prüfungsordnungen genannt wird – die praktische Studienzeit. Hier wurde durch den Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften (BRF) schon während der Workshopphase auf der Bundesfachschaftentagung 2015 in Kiel Verbesserungsbedarf festgestellt. Im damaligen Beschlussbuch heißt es deswegen unter anderem:

„Der BRF setzt sich für eine Reform der gesetzlichen Regelungen zur praktischen Studienzeit sowohl auf Bundes- als auch Landesebene ein. Strikte Vorgaben sollen durch offene und flexible Regelungen ersetzt werden. Der BRF wirkt auf folgende Änderungen hin:

a. Das DRiG soll die Anerkennung von außerhalb der vorlesungsfreien Zeit erbrachten Praktika oder vergleichbaren praktischen Tätigkeiten ermöglichen.

b. Die Landesgesetze sollen nicht mehr vorschreiben, dass Pflichtpraktika erst nach Abschluss einer gewissen Anzahl von Fachsemestern absolviert werden können.“
Der Abschlussbericht des Arbeitskreises Praktikumsausbildung befasst sich ebenfalls mit der zeitlichen Bindung der Pflichtpraktika an die vorlesungsfreie Zeit, die sich mehr und mehr mit wissenschaftlichen Arbeiten füllt. Als ein wichtiger Grund für eine niedrige Motivation wurde hier vor Allem die Doppelbelastung aus Hausarbeit und Pflichtpraktikum genannt. Dem entgegenwirken könnte eine Entzerrung, die Praktika auch in der Vorlesungszeit ermöglicht.

Erster Vorsitzender des BRF spricht sich für eine Änderung von § 5a III 2 DRiG ein

Für eine Umsetzung der Beschlussfassung aus 2015 plädierte auch Ruben Rehr, erster Vorsitzender des BRF, der ebenfalls an der Tagung teilnahm.
Er formulierte erneut die Forderung an den Gesetzgeber, § 5a III 2 DRiG möge geändert werden. Die aktuelle Regelung, insbesondere die Beschränkung der Pflichtpraktika auf die vorlesungsfreie Zeit, stellt eine starke Einschränkung für die Studierenden dar.
Argument für eine Änderung ist neben einer flexibleren Gestaltung, die den Studierenden bei der Erstellung ihrer Stundenpläne ermöglicht wird, die Möglichkeit durch ein Praktikum in Teilzeit ein längeres Verfahren begleiten zu können. Dadurch erhält der Studierende während seines Praktikums nicht nur Einblick, sondern auch einen umfassenden Eindruck der juristischen Arbeitsweise bei seiner jeweiligen Praktikumsstelle.
Die eigenständige Organisation vor Allem in Hinblick auf mögliche kollidierende Veranstaltungen an der Universität fördert die Eigenverantwortung.
Zudem dünnt sich das Lehrangebote an den Universitäten mit fortschreitendem Studium immer weiter aus, sodass ein Praktikum in der Vorlesungszeit nicht nur ohne weiteres möglich wäre, sondern vielleicht sogar eine Entlastung darstellen würde.Wünschenswert wäre es deswegen auch, eine zentrale Stelle einzurichten, die die Praktikumserfahrungen der Studierenden auswertet und sie den Studierenden in einer internen Datenbank zugänglich macht. Außerdem soll es einen Ausbau vorbereitender Angebote, wie etwa Workshops zum Bewerbungsschreiben oder zum Bewerbungsgespräch, geben. Insbesondere jüngere Semester sollen hier gefördert werden.


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