Zweites Staatsexamen

Das zweite Staatsexamen ist der krönende Abschluss der juristischen Ausbildung. Ist es bestanden, hat man es geschafft: Man ist Volljurist.

Doch zwischen erstem und zweitem Staatsexamen liegt ein langer Weg. Zwei Jahre Referendariat mit verschiedenen Praxisstationen und Arbeitsgemeinschaften. Hier gewinnt man bereits einen ersten Einblick in das spätere Berufsleben. Dennoch ist es eine Umgewöhnung und anstrengend zugleich. Ob beim Richter Urteile schreiben, bei der Staatsanwaltschaft den Sitzungsdienst wahrnehmen oder bei der Behörde Bescheide schreiben: Frisch von der Uni ist das für die meisten Neuland. Doch genau das ist der Sinn des Vorbereitungsdienstes: Die Heranführung an die Praxis und das Lernen für den späteren Beruf.

Auch Neuland sind die Klausuren des Staatsexamens. Zum einen sind es mehr Klausuren im Vergleich zum Ersten Staatsexamen. Die genaue Anzahl schwankt je nach Bundesland und liegt zwischen 7 und 11 Klausuren. Zum anderen ändert sich auch der Inhalt der Klausuren: Das materielle ist im Rahmen des Prozessrechts zu prüfen. Hinzu kommen einige Formalia wie z.B. das Rubrum eines Urteils. Eine weitere Herausforderung ist der Urteilsstil: Zuerst übt man jahrelang während dem Studium den Gutachtenstil bis man ihn im Schlaf beherrscht. Und dann soll man doch im Urteilsstil schreiben. Eine Umstellung mit der so mancher zu kämpfen hat!

Die Note des zweiten Staatsexamens ist wichtiger als die des Ersten. Denn viele Arbeitsgeber bewerten die Bewerber nur nach der zweiten Note. Dies liegt auch daran, dass das zweite Staatsexamen durch die prozessuale Einbettung und dem vorausgehenden Referendariat praxisnäher ist.

Trotz der Umstellungen und der Fülle an Klausuren gewöhnt man sich an den Stil und die Arbeitsweise. Mit ein wenig Übung und Selbstvertrauen meistert man auch das zweite Examen gut.