Reform im Staatsexamen: ab sofort dürfen juristische Datenbanken in Klausuren über das Smartphone genutzt werden

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Laut einem Geheimpapier aus dem Bundesjustizministerium ist eine umfangreiche Reform der Staatsexamensprüfungen geplant. Es sei nach dem Abgang von Heiko Maas das oberste Ziel, dass fortan die wahre juristische Leistung abgefragt werde, heißt es in dem Geheimpapier.
Die Zeiten des sinnlosen Auswendiglernens von Gerichtsentscheidungen und nur in Kommentaren und Literatur relevanter vierter und fünfter Meinungen sollen der Vergangenheit angehören.
Demnach soll es zukünftig möglich sein, das Smartphone in der Klausur zu nutzen, auch Gesetzestexte sollen so abgerufen werden können.

Wie wir waren auch viele Studierende und Referendare äußerst skeptisch. Diese richteten eine Anfrage an die neue Bundesjustizministerin der SPD.

 

Die Antwort der Bundesjustizminsterin im Wortlaut:

„Liebe Referendare (m/w und Andere),
liebe Studierende (m/w und Andere),

mit größtem Verständnis lese ich von Ihrer Ungläubigkeit bezüglich der Echtheit des bereits an die Öffentlichkeit gelangten „Geheimpapiers“. Es ist bedauerlich, dass mal wieder ein Geheimpapier an die Öffentlichkeit gelangt ist – obwohl wir unsere Bürger gerne unwissend halten – gleichwohl können Sie sich wirklich freuen.
Zwar wird es wohl noch bis 2070 dauern wird, bis das BeA funktionieren und unsere Gerichtsbarkeit den Weg ins digitale Zeitalter geschafft haben könnte. Wir vom Bundesjustizministerium wollen bei der Ausbildung der Nachwuchsjuristen aber nicht warten, bis keiner von uns mehr unter den Lebenden weilt.

Wir wollen jetzt etwas ändern. Sie, liebe Nachwuchsjuristen, sollen endlich so ausgebildet und geprüft werden, wie es im digitalen Zeitalter praxisnah und geboten ist.
Daher wollen wir zukünftig in den Examensklausuren die Verwendung von Smartphones genehmigen. Dabei dürfen diese nicht nur als Ersatz der rückenzerstörenden und mit z. B. Nazi-Namen benannten Gesetzeswerke wie dem Schönfelder genutzt werden. Nein, Sie dürfen über diese auch auf alle kostenlosen juristischen Datenbanken zugreifen.

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Inhaltlich soll zukünftig abgebildet werden, wie gut ein Kandidat mit Aufgaben unter realitätsnahen Bedingungen umgehen kann. Die Zeiten, in denen die am besten abgeschnitten haben, die die meisten aktuellen Urteile, Grundsatzurteile und Meinungsstreitigkeiten auswendig kannten, sollen der Vergangenheit angehören.
Ob es allerdings wirklich zur Umsetzung kommt, hängt von der konkreten Mitwirkung und Kooperationsbereitschaft der Länder ab. Wie Sie aus dem Staatsrecht wissen, ist die konkrete Umsetzung „Ländersache“. Nicht zuletzt deshalb dürfen Sie in vielen Bundesländern Anmerkungen bzw. Kommentierungen in Ihren Gesetzestexten machen, in anderen aber nicht.

Lassen Sie uns gemeinsam hoffen, dass es vor 2100 zu einer tatsächlichen Umsetzung kommt. Vermutlich werden Sie bei der Umsetzung bereits 70 oder älter sein und bei einer 60-Stunden-Woche als Jurasoldaten noch für die eigene Rente arbeiten. Immerhin können Sie die Revolution dann noch aus der Ferne miterleben.

Für Ihre bevorstehenden Examina wünschen wir Ihnen, alle Meinungsstreite und aktuellen Rechtsprechungen auswendig zu können und natürlich viel Erfolg!

Ihre Bundesjustizminsterin“

 

(Leider nur ein Aprilscherz)

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