Seminararbeit Nr. 1 – Künstlerische Werke als Gegenstand einer Strafanzeige

Seminararbeit „Künstlerische Werke als Gegenstand einer Strafanzeige“ von Florian Boes. Diese im Jahr 2015 erstellte und abgegebene Arbeit wurde mit „14 Punkten – gut“ bewertet.

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Zu Beginn diesen Jahres (2016) fassten wir den Entschluss, möglichst viele Seminararbeiten in einer neuen Reihe zu veröffentlichen. Ziel dieser Reihe ist es, den Studierenden und Lesern einerseits interessante juristische Arbeiten kostenfrei zur Verfügung zu stellen und andererseits Anschauungsbeispiele für gelungene Seminararbeiten zu bieten.

Jeder Band wird 20 – 25 Seminararbeiten beinhalten. Die Bände werden zunächst als eBooks veröffentlicht. Am Ende des jeweiligen Erscheinungsjahres wird jeder juristischen Universitätsbibliothek ein Exemplar der Bände in gedruckter Form kostenlos zur Verfügung gestellt.

Band 1 – 20 Seminararbeiten aus den Jahren 2012 bis 2016

Der erste Band, welcher Anfang Februar 2017, passend zu Beginn der nächsten Hausarbeitszeit, veröffentlicht wird, umfasst 20 Seminararbeiten aus den Jahren 2012 bis 2016, die mit 12 oder mehr Punkten bewertet wurden.

Vorab werden wir bereits einige ausgewählte Seminararbeiten hier veröffentlichen.

Seminararbeit „Künstlerische Werke als Gegenstand einer Strafanzeige“

Den Anfang macht die Seminararbeit „Künstlerische Werke als Gegenstand einer Strafanzeige“. Diese Seminararbeit wurde von Florian Boes im Rahmen seines Studiums an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) verfasst. Diese im Jahr 2015 erstellte und abgegebene Arbeit wurde mit „14 Punkten – gut“ bewertet.

 

Auszug aus der Seminararbeit „Künstlerische Werke als Gegenstand einer Strafanzeige:

 

„A) Einleitung – Adler, Banane & Co.

Ein Adler begattet einen Bären, eine Ratte steht daneben und grinst hämisch. Drei übereinander liegende Gewürzgurken, flankiert von zwei Bananen, angeordnet wie ein hoheitliches Wappen. Unterschiedlicher diese beiden fantastisch anmutenden Szenarien nicht sein könnten, haben sie doch eins gemeinsam: Sie stehen im Verdacht, die Bundesrepublik Deutschland bzw. deren Symbole gem. § 90a StGB1 zu verunglimpfen und somit eine Strafbarkeit auf Seiten der Urheber zu begründen.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der strafrechtlichen Bewertung dieser beiden Darstellungen, am Ende der Ausführungen soll die Strafbarkeit des durch die Anzeige beschuldigten Frankfurter Schallplattenhändlers, welcher Poster mit den besagten Motiven in seinem Laden ausstellt und verkauft, festgestellt werden. Hierfür sollen unter anderem auch folgende Fragen ausführlich behandelt werden:

Sind die Urheber dieser Werke strafbar gemäß § 90a oder anderer deutscher Straftatbestände?

Wie ist Kunst auf strafrechtlicher Ebene zu definieren und sind die vorliegenden Werke von einem solchen strafrechtlichen Kunstbegriff möglicherweise erfasst?

Gibt es bereits Gerichtsurteile, die sich mit der Verunglimpfung der Bundesrepublik Deutschland gem. § 90a durch potenzielle Kunstwerke auseinandersetzen?

Können sich die Urheber tatbestandsausfüllender Kunstwerke auf die Kunstfreiheit des Art. 5 GG berufen?

Wenn ja, gilt eine solche Kunstfreiheit auch für den Beschuldigten, welcher lediglich Kopien der Darstellungen in seinem Laden ausstellt und verkauft?

Bevor die Motive jedoch auf Ihre strafrechtliche Relevanz geprüft werden können, erscheint es ratsam, zunächst eine ausführliche Betrachtung vorzunehmen, wobei der Kontext, in dem die Werke entstanden sowie das sonstige Schaffen des jeweiligen Urhebers beleuchtet werden soll, um in Folge dessen Interpretationsansätze zum in- haltlichen Verständnis der Werke aufzeigen zu können.“

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