Unter den Talaren – Kleider machen Leute

Kleider machen Leute - Geschmäcker sind verschieden. Richter tragen ihre Robe, Anwälte ihre Talaren. Was sie darunter tragen - ein Geheimnis?

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Unter den Talaren – Kleider machen Leute, und Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.

Bei Gericht ist das offiziell anders. Richter tragen ihre Robe, Anwälte ihre Talaren. Was sie darunter tragen bleibt zumindest im Gerichtssaal ein Geheimnis. Es kann ihnen und ihrer Außenwelt in diesem Moment gleichgültig sein was sie drunter tragen. Anders bei dem Rest der Anwesenden.

Richter

Aufgrund der Anordnung über die Amtstracht bei den Gerichten ist der Berufs- und Handelsrichter zum Tragen seiner Amtstracht verpflichtet. Heutzutage halten sich allerdings nicht mehr alle Richter daran. Da kann es auch mal passieren, dass nicht alle gleich aufstehen, wenn er ohne seine Amtstracht den Gerichtssaal betritt.

Anwälte

Anwälte haben es hier auch einfach. In der Berufsordnung ist festgelegt, dass sie in Robe erscheinen müssen. Dadurch werden sie als Organe der Rechtspflege erkenntlich. Dennoch treten sie des Öfteren ohne Robe vor Gericht auf (dann zumeist im Anzug). Da kann es ganz schnell vom Organstreit zum Robenstreit kommen. Denn ohne Robe darf der Richter das Verfahren abbrechen und einen neuen Termin festsetzen; zukünftig mit Robe. Kaum ein Anwalt möchte dies riskieren, denn Gerichtstermine sind rar und ihre Mandanten zählen auf ein schnelles Ende. Nur beim Amtsgericht für Zivilsachen besteht keine Robenpflicht; §20 Berufsordnung vom 1.7.2008.
Bei anderen Beteiligten, die sich im Gerichtssaal aufhalten gelten andere Standards; allerdings keine gesetzlichen.

Beklagte

Da ist natürlich der An- oder Beklagte. Der sollte bestenfalls einen guten Eindruck machen. Das muss er allerdings selber hinbekommen, denn Anwälte sind leider oder zum Glück keine Mode- und Stilberater. Dadurch passiert es nicht selten, dass er so kommt, wie er sich am wohlsten fühlt. Und das ist oft nichts Geringeres als im Joggingoutfit. Wer kann ihm das verübeln? Eine Lebensweisheit heißt doch: Zieh das an, worin du dich (sichtlich) wohl fühlst. Sichtlich bezieht sich derweil natürlich auf die selbstbewusste Ausstrahlung. Auch diese braucht man vor Gericht. Bei welchem Aspekt man die Schwerpunktsetzung verortet, ist eine individuelle Entscheidung. Am besten fühlt man sich an dem wegweisenden Tag vor Gericht in Gericht-konformer Kleidung wohl.

Zeugen

Für den Zeugen geht es um weitaus weniger. Nur wenn er lügt und dabei erwischt wird, könnte er sich wegen einer Falschaussage strafbar machen. Aber das hängt nicht von seinem Äußeren ab. Dennoch sollte auch er angemessen in Erscheinung treten. Sei es nur, um dem Gericht den nötigen Respekt zu erweisen. Denn nicht jeder hat die Ehre in seinem Leben vor Gericht als Zeuge zu aufzutreten.

Schöffen

Auch nicht so einfach haben es die Schöffen. Sie arbeiten für das Gericht. Und eigentlich gibt es ja gesetzliche Bestimmungen was die Modeerscheinung der Gerichtszugehörigen betrifft. Nicht so bei den Schöffen. Sie sollen durch ihre Beteiligung an Gerichtsverfahren das Vertrauen der Bürger in die Justiz stärken. Also sollen sie auch als zusätzlicher Teil des Gerichts erkannt werden. So erscheinen die meisten genauso wie viele Zeugen in einer unschlüssigen Freizeitmontur.
Letztlich haben alle Beteiligten ihre Last zu tragen. Die einen wissen nicht was sie unter den Roben tragen sollen und die anderen haben keine Roben. Auch die Empfehlung sich wie Sonntags in der Kirche anzuziehen ist nicht unbedingt die Lösung aller Probleme. Erstens sind nicht alle Kirchgänger und zweitens ist auch das Geschmackssache.


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