Während des Studiums ins Ausland

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In wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen ist ein mehrmonatiger Aufenthalt im Ausland fast schon ein „Muss“. Auch im Verlauf der juristischen Ausbildung zieht es immer mehr junge Leute in die Ferne. Welche verschiedenen Möglichkeiten sich Dir dafür bieten, wie sie sich am besten realisieren lassen und wann der beste Zeitpunkt dafür ist, soll der folgende Beitrag aufzeigen.

An ausländischen Universitäten studieren

Obwohl der Schwerpunkt des Studiums auf dem deutschen Recht liegt, gibt es gute Argumente dafür, einige Zeit an einer Universität im Ausland zu verbringen. Neben wertvollen persönlichen Eindrücken, kann vor allem der LL.M. ein Einstellungskriterium sein.

In Abgrenzung zu den anderen Formen von Auslandsaufenthalten ist der Vorteil, dass oft Zertifikate oder sogar zusätzliche Studienabschlüsse erworben werden können. Durch einen Studienabschnitt im Ausland erlangt man einen lohnenswerten Einblick in ein weiteres Rechtssystem.

Auslandssemester an einer Partneruniversität

Im Rahmen eines Auslandssemesters hat man die wertvolle Möglichkeit, die Lebensweise ausländischer Studenten kennenzulernen. Die meisten Hochschulen haben einen großen Katalog an Partneruniversitäten in verschiedenen Ländern. Hierbei können an den meisten Universitäten Auslandsaufenthalte innerhalb Europas vom ERASMUS-Programm gefördert werden. Aufgrund der niedrigeren Sprachbarriere ist ein Auslandssemester in England bei deutschen Jurastudenten besonders beliebt.

Erwerb eines Doppelabschlusses (LL.B.)

Wem ein Auslandssemester nicht ausreicht, um den Bedarf an Internationalität zu stillen, dem könnte ein Doppelabschluss-Programm zusagen. Mehrere Universitäten kooperieren mit französischen Hochschulen, aber es gibt auch schon Programme mit Spanien, Ungarn, Polen und der Türkei. In der Regel werden hierfür gute Sprachkenntnisse der entsprechenden Sprache erforderlich. Besonders eignen sich diese Studiengänge für zweisprachig Aufgewachsene und Studienanfänger mit mehrjähriger Sprachausbildung.

Master of Laws (LL.M)

Wer nach dem ersten Staatsexamen ein bis zwei Jahre im Ausland verbringen möchte, kann dort einen zusätzlichen Abschluss erwerben. Der LL.M. kommt zum einen bei Großkanzleien gut an, zum anderen entwickelt man sich natürlich persönlich weiter und es stehen zahlreiche spezialisierende, rechtsvergleichende oder internationale Masterstudiengänge. Zum Thema LL.M. findet sich bereits ein informativer Beitrag auf unserer Seite.

Absolvieren einer Referendariatsstation im Ausland

ÜBERLASSE DEINE MÜNDLICHE PRÜFUNG NICHT DEM ZUFALL!

Verständlich ist aber auch, wenn Du nach Jahren des Studiums dem Berufseinstieg noch ein Stück näher kommen willst, das heißt möglichst wenig Zeit auf dem Weg zum Volljuristen vergehen soll. Wer trotzdem noch ins Ausland möchte, kann sich dort nach einer der vorgegebenen Stationen für das Referendariat umsehen. Dazu eignet sich vor allem die Wahlstation. Auf Iurratio.de könnt ihr dazu bereits Berichte von einer Wahlstation in Australien und der Verwaltungsstation auf Sri Lanka oder im Auswärtigen Dienst lesen.

Praktika im Ausland

Vor der Ersten Juristischen Prüfung müssen bekanntlich auch Praktika absolviert werden. Im Vergleich zur Studiendauer erscheinen diese jedoch relativ kurz und es kann sicher nicht schaden, wenn man sich Zeit nimmt, um zusätzliche Berufserfahrungen zu sammeln. Auch hier bietet es sich an, das Ganze mit einer Reise zu verbinden, zumal auch auch viele in Deutschland ansässige Kanzleien international tätig sind.

Im europäischen Ausland Berufserfahrungen sammeln

Ein Praktikum innerhalb Europas bringt oft weniger Kosten mit sich, als eine Reise in die Ferne. Viele haben neben Englisch noch weitere Fremdsprachen erlernt, die man sich unter Umständen hier zu Nutzen machen könnte. Nicht zuletzt bieten sich einem innerhalb Europas, wie schon beim Falle eines Auslandsstudiums, in der Regel mehr Fördermöglichkeiten als im Rest der Welt, vor allem durch Erasmus+. Elsa, die Vereinigung der europäischen Jurastudenten, bietet mit ihrem Projekt „STEP“ (Student Trainee Exchange Programme) ebenfalls eine Anlaufstation bei der Suche nach einem Praktikum. Mitglieder können sich dazu zum Beispiel  an ihre Fakultätsgruppe wenden.

Praktika auf anderen Kontinenten

Finanzielle Unterstützung für ein Praktikum in einem weiter entfernten Land findet sich über die Seite des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst). Dies ist natürlich oft mit höheren Kosten und mehr Aufwand (Visa etc.) verbunden. Falls Du das nötige Kleingeld hast, kannst Du Dir auch von einem kommerziellen Anbieter ein Praktikum vermitteln lassen. So sparst Du Dir einiges an Aufwand und hast einen Ansprechpartner bei Problemen. Ein Beispiel für einen Praktikumsplatz in einem eher exotischen Land gibt der Bericht über ein Praktikum in Thailand.

Kurzaufenthalte

Auch wer nicht gleich mehrere Monate ins Ausland kann oder will, hat trotzdem nicht nur die Möglichkeit eines einfachen Urlaubs.

Naheliegend ist es im Ausland die jeweilige Sprache zu lernen. Passende Angebote findet man bei zahlreichen Organisationen und über Aushänge in der Universität. Die Kosten für einen solchen Aufenthalt variieren stark je nach Zielland und Anbieter, weshalb sich ein Vergleich lohnt.

Interkulturelle Kontakte knüpft man auch, wenn man an einer Summer (oder Winter) School teilnimmt. Kurse zu verschiedenen rechtswissenschaftlichen Themen finden in der Regel auf Englisch statt und es reichen oft schon wenige Wochen Freizeit in den Semesterferien. Zudem werden oft spezielle Stipendien an teilnehmende Studenten vergeben.

Freiwilligen-Projekte, beispielsweise in Entwicklungsländern, erfreuen sich aktuell einer relativ großen Beliebtheit. Themen sind in der Regel Menschenrechte, speziell die Unterstützung benachteiligter Frauen oder Kinderrechte. Gerade letzter ist oft mit einem sozialen Projekt verbunden. Beispiele dafür sind Kinderbetreuung oder Bildungsförderung.

Rechtzeitige Planung wichtig

Was alle Arten von Auslandsaufenthalten gemeinsam haben: Um Stress und Enttäuschungen zu vermeiden, sollte man sich rechtzeitig um die Organisation kümmern. Die Vorlaufzeit für ein Auslandsstudium liegt oft bei ca. einem Jahr. Alle wichtigen Informationen kann man in der Regel der Webseite und eventuellen Aushängen des International Office der eigenen Hochschule entnehmen. Außerdem wird eine umfassende persönliche Beratung angeboten.

Handelt es sich um ein Unternehmen oder eine Behörde, müssen die jeweiligen Bewerbungszeiten rechtzeitig recherchiert werden. Auch Sprachkurse und Freiwilligenprojekte sollten ein paar Monate vor Reiseantritt gebucht werden, hier hängt es allerdings auch vom Anbieter ab.

Finanzierung

Finanzielle Unterstützung für internationale Studienprogramme gibt es unter anderem vom DAAD. Besonders viele Fördermöglichkeiten werden für Studien- und Praktikaaufenthalte innerhalb Europas angeboten, hierzu siehe ERASMUS+. Nicht nur für Bafög-Beziehende interessant ist übrigens die Bewerbung um das Auslands-Bafög, da nicht die selben Vergabekriterien gelten.

 

Auch wenn ein Auslandsaufenthalt immer einen Mehraufwand bedeutet, sind sich alle Zurückkehrenden in einem Punkt einig: Die einmaligen Erfahrungen kann einem keiner mehr nehmen. Ganz egal, für welches Programm man sich entschieden hat.


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