Erstes Staatsexamen – Die Examensvorbereitung

Spätestens, wenn er die meisten großen Scheine in der Tasche hat, tritt der durchschnittliche Jurastudent in die Vorbereitungsphase für das „Examen“ ein.

Brauche ich ein Repetitorium und wenn ja welches?

Die Gretchenfrage, die sich dabei stellt und mit der man bereits ab dem ersten Semester immer wieder behelligt wird – wie halt ich‘s mit dem Repetitorium? Um das zunächst in aller Deutlichkeit klarzustellen, einen Königsweg für die Vorbereitungsphase gibt es nicht. Wäre das so, dann wären die Durchfall- und Prädikatsquoten nicht Jahr für Jahr konstant, obwohl doch fast jeder zum Repetitor geht und natürlich jedes Repetitorium mit den angeblich besten Absolventen wirbt. Wieso besucht dennoch fast jeder ein kommerzielles oder zumindest ein universitäres „Rep“?

Im Jurastudium müssen die Examenskandidaten anders als in den meisten anderen Studienfächern, ganz am Ende ihres Studiums das gesamte erlernte Wissen innerhalb von wenigen Tagen abrufen können. Der Repetitor nimmt ihnen dabei die Aufgabe, das Wesentliche vom Unwesentlichen herauszuarbeiten und systematisch zu wiederholen. Besucht man ein Repetitorium und arbeitet konsequent vor und nach, so hat man zumindest die Sicherheit, die meisten Basics wiederholt zu haben.

Es hat auch eine disziplinierende Wirkung, streng nach dem Ablaufplan eines Repetitoriums zu arbeiten, besonders, wenn man sonst im stillen Kämmerlein fröhlich vor sich hin prokrastinieren würde. Ein Universitätsrepetitorium hat darüber hinaus den Vorteil, dass es von Professoren konzipiert wird, die Examensklausuren erstellen und korrigieren und daher definitiv wissen, worauf es ankommt.

Gegen kommerzielle Repetitorien spricht, dass ein Jahreskurs gerne an die 2000 Euro kostet. Und wer nur drinsitzt und die Zeit vertrödelt, spart sich dieses Geld besser, denn ohne aktive Mitarbeit bringt auch das beste Repetitorium nicht das geringste. Ein weiterer Nachteil ist die falsche Sicherheit, die einem ein Repetitorium teilweise vermittelt: Der Repetitor trifft wie erwähnt die Vorauswahl und was er als „unwichtig“ einstuft, bekommt der Student auch nicht serviert.

Gefährlich ist auch, dass man über seinen vom Repetitor aufbereiteten Schaubildern die Arbeit am und mit dem Gesetzestext vernachlässigt – ein Fehler, der sich im Examen durch unsauberes Zitieren, falsch benannte Tatbestandsmerkmale oder gar größeren Lücken in der Gesetzessystematik bemerkbar macht. Schlussendlich liegt ein Repetitorium, das mehr oder weniger wie Schulunterricht funktioniert, auch nicht jedem. Wer schon immer besser alleine mit einem Lehrbuch oder Skript gelernt hat, soll sich hier nicht durch den „Gruppenzwang“ zum Repetitor gedrängt fühlen.

Eine klare Empfehlung für eine der dargestellten Methoden der Vorbereitung, die für jeden Lerntypen und für jede individuelle Situation ihre Gültigkeit hat, kann es natürlich nicht geben. Allerdings sollte man sich vorher gut überlegen, wie man sich vorbereiten will und sich ruhig eine gewisse Zeit für diese Frage nehmen. Bevor man sich für ein bestimmtes Repetitorium entscheidet, kann man dort „probehören“ und sich auch die Unterlagen anschauen, mit denen dort gearbeitet wird.

Hat man sich einmal für einen Lernplan und Lernmaterialien entschieden, so ist es in aller Regel auch das Beste, dabei zu bleiben und nicht nach einigen Wochen auf ein neues und vermeintlich vielversprechenderes System umzuschwenken.

Wie kann ich mich selbst auf die schriftlichen Klausuren vorbereiten?

Hier findet Ihr einen interessanten Vorschlag zur Vorbereitung auf die schriftlichen Klausuren aus dem ultimativen Lernkonzept „Ich will Jura, also bin ich – erfolgreich Jura Lernen“ von Prof. Dr. Hans-Peter Schwintowski:

Die ideale Vorbereitung auf die Klausuren im ersten juristischen Staatsexamen

Wie viele Übungsklausuren sollte ich schreiben und wo?

„Ohne 50 Übungsklausuren zu schreiben, kann man nicht bestehen, geschweige denn ein Prädikatsexamen schreiben!“ – Wer hat diesen Satz noch nicht gehört? Für die allermeisten Examenskandidaten ist das Anfertigen von Übungsklausuren tatsächlich eine super Übung. Übungsklausuren testen materielles Wissen, Zeitmanagement und die Fähigkeit, mit den erlernten Techniken auch unbekannte Probleme zu bewältigen. Gleichzeitig wird die Sprachfertigkeit geschult und das Schriftbild klärt sich durch das viele Schreiben bei den meisten Prüflingen etwas.

Allerdings gibt es auch immer wieder Studenten, die mit Klausuren noch nie Probleme hatten und die Zeit – immerhin nimmt eine Übungsklausur fünf Stunden plus Nachbereitungszeit in Anspruch – besser in die Wiederholung von materiellem Wissen stecken. Hier gilt deshalb das Gleiche, was in der gesamten Vorbereitung gilt: Jeder Kandidat ist anders, und das Schlimmste, was man machen kann, ist sich von pauschalen Thesen, wie der eingangs vorangestellten, verunsichern zu lassen.

Welche und wie viele Zeitschriften soll ich abonnieren?

Ja, es stimmt, teilweise werden Fälle, die an aktuelle Rechtsprechung zumindest angelehnt sind, in Examensklausuren gestellt und die Prüfungsordnungen stellen in der Regel auch klar, dass Überblickskenntnisse über aktuelle Rechtsprechung und Streitstände vorhanden sein müssen. Eine Entscheidung vollständig parat zu haben, wird natürlich nicht erwartet – im Gegenteil kann es teilweise sogar schaden, wenn Prüflinge meinen, den Fall zu erkennen und dann die Unterschiede übersehen, oder viel zu hastig auf das Problem springen und es zu oberflächlich abzuarbeiten.

Damit man die geforderten Überblickskenntnisse der aktuellen Rechtsprechung hat, reicht eine Zeitschrift völlig aus. Inhaltlich behandeln sie meist mehr oder weniger dieselben Urteile, sodass man beruhigt die Zeitschrift wählen kann, deren Stil einem am meisten liegt.

Wie lange nehme ich mir für die Examensvorbereitung?

Auf welche Zeit man seinen Lernplan ausdehnt, hängt auch davon ab, wie viele Wochenstunden man einplant. Zwölf Monate sind stramm, aber machbar, mehr als 18 Monate sind zu lang, um die Motivation und Konzentration, die notwendig sind, aufrechtzuerhalten.

Kann ich nebenher noch arbeiten?

Schon aus finanziellen Gründen stellt sich diese Frage für all diejenigen Jurastudenten nicht, die auf ihren Nebenjob zur Schaffung einer Lebensgrundlage angewiesen sind – sei es etwa, weil die Regelstudienzeit bereits überschritten ist oder man von ungefähr 600 Euro BAföG-Höchstsatz in manchen deutschen Universitätsstädten geradeso seine abstellkammergroße Ein-Zimmer-Wohnung bezahlen kann. Mehr als eineinhalb Tage in der Woche sollten es aber bei einer knappen Examensvorbereitungszeit nicht sein, wenn es sich vermeiden lässt, da man auch noch Zeit zur Regeneration benötigt.